Connection with Reader could not be established

Ab und an schnackelt es nicht und dann ist diese Rubrik mein virtueller Beichtstuhl für mangelndes Durchhaltevermögen. In den allermeisten Fällen trifft die Autoren, die hier landen, deutlich weniger Schuld (wenn man von solcher sprechen möchte) als die Leserin, die häufig zu ungeduldig ist oder zur falschen Zeit das falsche Buch in die Hand nimmt. Dieses Mal hat es diese Werke getroffen:

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Ich freute mich riesig, als ich ganz überraschend den neuen Seethaler in der Post hatte, ist er doch einer der Gegenwartsautoren, der sich ganz sachte und heimlich mit seiner poetischen leisen Sprache in mein Herz geschlichen hat.

Die Idee, die Begrabenen eines Friedhofs ihre Geschichte erzählen zu lassen, fand ich sehr spannend, ich freute mich auf ein vielstimmiges Porträt, aber vollkommen überraschend sind wir dieses Mal überhaupt nicht zusammen gekommen, der Herr Seethaler und ich.

Seethaler ist grundsätzlich einfach und ehrlich wie das deutsche Abendbrot und kaum einer schafft es sonst so einfach wie er, mich in die literarische Provinz zu locken, aber dieses Mal war ich einfach nur gelangweilt. Diese deutschen Toten waren wie Pumpernickel, von dem ich auch immer nur maximal zwei Scheiben mag und dann bleibt die Packung liegen, guckt vorwurfsvoll und beschämt werfe ich sie irgendwann weg.

Das mache ich mit Herrn Seethaler natürlich nicht. Ich stelle ihn ins Regal und versuche es noch einmal, denn ich kann noch nicht so wirklich glauben, dass das dieses Mal nix geworden ist mit uns …

Ich danke dem Hanser Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Mein erster Bolano. Sein bekanntestes Werk 2666 habe ich schon seit Ewigkeiten auf dem Wunschzettel, auf dieses Büchlein stieß ich vor Kurzem im offenen Bücherschrank und bin ganz fürchterlich daran zerschellt. Es ist ein außergewöhnliches Buch, komplett in Monologform. Vieles wiederholte sich, die Sätze sind ausschweifend, aber ich bin einfach nicht hineingekommen.

Das Buch bekommt wahnsinnig gute Kritiken, es liegt also definitiv mehr an mir als an  Bolano. Ich habe es probiert, nach einigen Seiten weggelegt, wie Kaviar vor einigen Jahren, den hab ich noch 2-3 mal weggeschoben, bis ich ihn irgendwann mochte. Vielleicht wird es mit dem Buch auch so sein.

Auch dieses wandert zurück ins Regal und wir versuchen es irgendwann noch einmal miteinander. Kennt es jemand? Hat jemand eine Idee wie man es knackt? Ich gebe doch so ungern auf …

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Als stolze Eltern eines gelegentlich auf dem Balkon mitwohnenden Eichhörnchens namens Willy war es klar, dass ich dieses Buch lesen wollte.

Veblen (die nach einem Philosophen benannt ist) ist eine unterbeschäftigte Mittzwanzigerin, die mit Eichhörnchen spricht. Sie hat eine anstrengende Beziehung zu ihrer hypochondrischen Mutter und glaubt, niemals den Mann fürs Leben zu finden. Bis sie Paul trifft und alles toll zu werden scheint, aber er mag keine Eichhörnchen…

Irgendwo mittendrin verlor ich die Lust an der Geschichte, versuchte stattdessen, mit unserem Willy zu kommunizieren, was dieser ablehnte und beschloss, das Buch nicht weiterzulesen.

Auf deutsch erschien der Roman unter dem Titel „Im Kern eine Liebesgeschichte“ im Dumont Verlag.

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Ja und dann traf meine Widerborstigkeit auch noch die grandiose Sybille Berg. Ich schätze ihre Romane sehr, im Leben hätte ich nicht damit gerechnet, dass ihr Debüt und ich ü-ber-haupt nicht miteinander können.

Zuviel menschlicher Abgrund? Ich weiß es nicht, ich hatte einfach keine Geduld mit den verschiedenen Protagonisten, wollte sie dauernd schubsen oder schütteln, hatte auch gelegentlich Schwierigkeiten, die Informationen dem richtigen Charakter zuzuordnen und habe das Buch dann entnervt in die Ecke geworfen.

Wir sollten das einfach so unter uns lassen, Frau Berg muß das nicht erfahren. Ich kann mir ihren strafenden Blick sehr gut vorstellen und es ist mir ja auch wirklich unangenehm.

So, Beichte abgelegt, fühle mich gleich besser. Welche literarischen Sünden habt ihr zu beichten?

 

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5 Kommentare zu “Connection with Reader could not be established

  1. Der Seethaler liegt auch noch hier, angelesen, kommt aber weg, nicht ins Regal. Kauf mir vom Erlös lieber Pumpernickel. Durch den aktuellen Rothmann quäl ich mich mehr recht als schlecht durch. Aber immerhin werde ich bis zum Ende durchhalten. Zumindest bis zum Abendbrot. Da weiß man was man hat. Ist ja selbstgemacht.

  2. Großartiger Beitrag! Es gefällt mir sehr, wie du über deine Probleme mit den Büchern sprichst. Und es stimmt, manchmal ist der Zeitpunkt einfach der falsche. Da hilft nur, es erstmal wieder ins Regal zu stellen.
    Viele Grüße, Stephanie

  3. Liebe Sabine, virtueller Beichtstuhl für mangelndes Durchhaltevermögen – was für eine Formulierung!! Klasse. Aber so geht uns doch allen ab und an und das ist auch i. O. so. Schön finde ich, dass Du nicht mit dem Holzhammer drauf haust und alles irgendwie runtermachst, ohne deine Sicht zu begünden. Das passiert sonst allzu oft – also nicht bei Dir – sondern im allgemeinen. Von Seethaler hab ich den Traffikanten liegen und ich glaube, dass ich dafür wirklich Zeit und Ruhe brauche. Mich runtertakten muss. Und die Debüts geliebter Autoren … nun, die kommen meist nicht sooo gut. Ich sag nur die Geheimnisse von Pittsburgh und Michael Chabon. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag. LG, Bri

  4. tolle Rubrik. Meines Erachtens trifft sie den Nagel auf den Kopf, wobei ich in letzter Zeit echt Glück hatte damit und kein Buch unbeendet lassen musste. *dreimal auf Holz kopf*

  5. Mir ging es mit dem Seethaler ganz genauso. Große Vorfreude und Enttäuschung. Bis zur Hälfte durchgehalten, weil, es ist ja Seethaler. Aber nun weggelegt. Schade. Vielleicht wieder beim nächsten Buch.

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