Das Licht zwischen den Meeren – M. L. Stedman

Stedman

Das Juni-Buch für den Buchclub. Schon an Weihnachten im Bücherregal der Schwiegermama entdeckt und umgehend ausgeliehen.

Die Diskussion im Buchclub zu „Das Licht zwischen den Meeren“ war ausgesprochen lebhaft. Wer das Buch noch lesen will, sollte den Text hier nur vorsichtig geniessen, ich verpasse gleich mal einen Spoiler-Alert. Es ist schwierig über meine Reaktion auf das Buch zu schreiben, ohne zuviel zu verraten.

Erst einmal es liest sich wirklich gut. Insbesondere die erste Hälfte des Buches vergeht wie im Flug. Es ist M. L. Stedman’s erster Roman und ursprünglich startete das Buch als Kurzgeschichte. Das merkt man meiner Meinung nach. Der zweite Teil fühlt sich stellenweise etwas zäh an. Mir ging es mit dem Roman wie gelegentlich mit Fast-Food. Im Moment schmeckt es richtig gut, aber man merkt kurz drauf, es ist nicht so wahnsinnig nachhaltig. So war das hier auch. Bei der Diskussion merkten wir, da gäbe es schon das eine oder andere das wir anders gemacht hätten.

Die Geschichte selbst ist eigentlich kurz erzählt. Ein Ehepaar lebt kurz nach dem ersten Weltkrieg auf einer Insel in einem Leuchtturm vor West-Australien. Die beiden sind sehr glücklich miteinander, aber mehrere aufeinander folgende Fehlgeburten zehren an ihren Nerven. Eines Tages wird ein Boot angespült mit einem toten Mann darin und einem gesunden kleinen Baby. Die Frau überredet ihren eigentlich sehr prinzipientreuen Mann das Kind behalten zu dürfen, sie ziehen es auf und irgendwann kommt es natürlich dazu, dass sie bei einem Besuch auf dem Festland von der Mutter des Kindes hören, die noch am Leben ist und nicht wie die beiden vermuteten ebenfalls ertrunken. Die Frau ist wahnsinnig unglücklich und Tom, der Leuchtturmwärter wird von diesem Tage an von einem unglaublich schlechten Gewissen geplagt. Sie hätte das Kind nicht behalten dürfen und sollten sie es nicht zurückgeben ?

Im Buchclub hatten die meisten großes Verständnis für Tom und auch dafür das er sich dafür entscheidet sein Gewissen zu erleichtern und die Frau wissen läßt, dass ihr Kind lebt und das obwohl er damit zumindest in Kauf genommen hat, das ihr Betrug herauskommt und sie das Kind zurückgeben müssen. Mir ging Tom eher auf die Nerven. Der war mir einfach viel zu gut und brav und prinzipientreu. Er hat sich in die lebenslustige, fröhliche Isabel verliebt, ist dann aber genervt von ihr, wenn sie durch ihre leichtlebigere Art gegen seine Prinzipien verstößt. Sein Gewissen ist ihm wichtiger als Isabel’s Lebensglück und das des Kindes.

Eine spannende Frage – was hätte ich getan ? Vermutlich hätte ich mich eher wie Isabel als wie Tom verhalten. Ich bin anscheinend einfach nicht wirklich ein guter Mensch 😉

Oh mal eine Statistik am Rande – 50% der Buchclubteilnehmerinnen (also 5 in diesem Monat) haben bei dem Buch geweint. Was meint ihr – war ich eine davon ?

Advertisements

2 Kommentare zu “Das Licht zwischen den Meeren – M. L. Stedman

  1. Ich habe soeben das Buch durchgelesen und habe ebenfalls geweint, allerdings aus Frust und Wut und nicht aus irgendeinen anderen Grund. Ich habe Hanna als Figur von Anfang an nicht leiden können. Um ehrlich zu sein habe ich seit „Seelen“, bei der Figur des Jared, nicht mehr so einen Hass für eine fiktive Figur empfunden. Hanna kam aus einer reichen Familie.
    Ein verwöhntes Kind, das alles bekam, was es wollte. Und da sich solche ungezogene Bälger, die alles ohnehin kriegen, was sie wollen, dazu hingezogen fühlen Verbotenes und Rebellisches zu tun, suchte sie sich das Feindbild des Jahrhunderts zum Ehemann, einen Deutschen, bzw Österreicher – aber wen kümmert’s? Hitler kam auch aus Österreich, sofern mich mein historisches Gedächtnis nicht trügt. Zugegebenermaßen lebte sie dann ihres Trotzes bedingt in Armut und bekam dann irgendwann ein Kind. Und da sie natürlich keine Ahnung von den Gedenk- und Feiertagen ihres eigenen Dorfes hat, geht sie an dem Heldengedenktag, an dem alle im Krieg gegen die Deutschen Gefallenen geehrt wurden, mit dem Feindsbild schlechthin und deren Kind spazieren.Was zur Hölle dachte sie,
    würde passieren?! Sie wurde als intelligent beschrieben in dem Roman. Mir kam sie dumm, naiv und unglaublich berechenbar vor.

    Tom ging mir ebenfalls schrecklich auf die Nerven mit seinem gesetzestreuen Getue und hätte er ein Herz gehabt, so hätte er das von Isabel niemals wegen einer anderen Frau gebrochen.

    Isabel und Hannas Schwester waren die einzigen zwei Figuren, deren Handeln ich nachvollziehen konnte, in das ich mich hineinfühlen konnte. Isabel hat so viel mehr gelitten als Hanna und sie hat sich ihr Unglück nicht ausgesucht oder durch Dummheit verursacht. Drei Fehlgeburten auf einer einsamen Insel. Sie hat immer weitergekämpft, während sie immer ein Stück mehr von sich verlor, nach jedem Baby, das leblos die Welt betrat. Und Hannas Schwester war die einzige, die verstand, dass das Kind nicht unter den Launen einer unbarmherzigen biologischen Mutter leiden sollte.

    Ich habe geweint, als Lucy sich zu Hanna mit „Mama“ wendete. Ich war wütend, enttäuscht und unversöhnlich. Es wäre mir sogar lieber gewesen, das Mädchen wäre bei ihrem Versuch ihre richtige Mutter zu finden gestorben. Dann hätte jeder seine eigene Lehre daraus ziehen dürfen – die Figuren sowie die Leser.

    Ich kann voll und ganz nachvollziehen, wenn du dies nicht veröffentlichst, aber zu wissen, dass jemand es sich zumindest durchliest, der zumindest in der Gröbe eine ähnliche Einstellung zu den Figuren hat (Tom und Isabel), tröstet mich ungemein jetzt in dem Moment, wo ein blödes Buch mich derart aufgewühlt hat.

    • Es ist ja schon eine Weile her, dass ich da Buch gelesen habe und ich glaube, hätten wir es nicht im Bookclub diskutiert könnte ich mich an noch weniger erinnern. Aber genervt war ich auch, daran erinnere ich mich gut. Läuft die Verfilmung nicht gerade im Kino? Wirst Du es Dir ansehen? Ich wohl eher nicht 😉 Liebe Grüße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s