Hirngymnastik – Dinosaurier

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Wer „Ausgestorben um zu bleiben“ aufschlägt, sollte sich auf einen Schock gefasst machen. Auch wenn ich es hier und da schon habe durch die Presse huschen sehen, ich habe den unliebsamen Gedanken einfach immer auf Seite geschoben. Aber Herr Kegel präsentiert uns gleich auf der Innenseite mit dem Bild einen gefiederten Dinosaurier. Waaah – das geht gar nicht. Ein Dino ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft also wirklich „a thing with feathers“. Das muß ich erst einmal verarbeiten, nachdem ich es nun anscheinend wohl nicht mehr weiter leugnen kann.

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Foto: Tigramgros

Ich glaube, die „Jurassic Park“ Filme wären deutlich weniger gruselig und spannend gewesen, wären die Protagonisten von wildgewordenen Riesenhühner-Dinos verfolgt worden. Aber gut – ich muß damit leben.

Bernhard Kegel reist mit uns durch die Zeit der Dinosaurier von ihrem Auftauchen am Ende des Perm, ihr Aufblühen im Jura und ihr plötzliches Aussterben in der Kreidezeit. Nie wanderten mehr als etwa 100 Dinosaurier gleichzeitig über die Erde und so manche Dinos, die wir in Jurassic Park gemeinsam miteinander kämpfen sehen, lebten tatsächlich Millionen von Jahren auseinander.

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Foto: tigramgros

Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. So sollte populärwissenschaftliche Literatur sein. Man erfährt nicht nur jede Menge über die Dinosaurier selber und den letzten Stand der diesbezüglichen Forschung, er berichtet auch über die Anfänge und die Entwicklung der Paläontologie und über Dinosaurier in der Literatur und Film und ihren Einfluss.

Das Buch bietet eine Fülle an Informationen und ich fand es sehr beeindruckend, was die moderne Wissenschaft in der Lage ist, aus Millionen Jahre alten Fossilien und Knochen herauszulesen. Zum Beispiel, dass Dinosaurier eine breite Palette an Farben boten und dass die Federn womöglich als Vorzeigeobjekt entwickelt wurden wie beim Pfau zum Beispiel und danach erst im evolutionären Prozess zum Fliegen genutzt wurden. Kegel räumt auch immer wieder mit überholten Bildern auf:

„Es dauerte Jahre, bis sich das von Ostrom vertretene Bild der Dinosaurier als aktive Tiere mit hohem Stoffwechselniveau durchzusetzen begann. Der alte Kängurutyp der aufgerichteten, auf Hinterbeine und Schwanz gestützten Echse, der die Präsentation in den Museen und die Bilderwelt beherrschte, hatte ausgedient. Skelette wurden abgebaut und in neuer Positur wieder aufgestellt. Wie bei einer Wippe waren Oberkörper und Kopf nun nach vorne gekippt und hatten den Schwanz in die Höhe gehoben, bis beide sich ungefähr auf gleicher Höhe befanden und die Waage hielten.“

Ein wirklich großartiges Buch, das in keinem Haushalt fehlen sollte. Besonders ans Herz legen möchte ich euch die wunderbar schöne Büchergilden-Ausgabe – ein echtes Schmuckstück.

Aufmerksam wurde ich auf Bernhard Kegels Buch bei Marion von schiefgelesen, dort findet ihr eine weitere Rezension dazu.

Kegel machte mich in seinem Buch auf Tracy Chevaliers Roman „Remarkable Creatures“ über die Fossiliensammlerin Mary Anning aufmerksam und ich verbrachte bei der Lektüre viele Stunden am Strand von Lyme Regis in Dorset.

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Mary Anning wurde 1799 in eine arme Familie hineingeboren. Ihr Vater Richard war Schreiner, er brachte seiner Tochter alles über Fossilien bei. Als Kind ging Mary mit ihrem Vater regelmäßig an den Strand, um nach Fossilien zu suchen. Sie brachten diese zurück nach Hause, reinigten und polierten sie und boten sie Touristen zum Verkauf an, als sogenannte „Curios“.

Als ihr Vater 1810 stirbt, ist die Familie völlig verarmt. Sie müssen ihre Möbel verbrennen, um nicht zu erfrieren und sind ständig davon bedroht, ins Armenhaus zu kommen. Zu dieser Zeit war der Fossilienverkauf die einzige Einnahmequelle der Familie.

“That’s how fossil hunting is: It takes over, like a hunger, and nothing else matters but what you find. And even when you find it, you still start looking again the next minute, because there might be something even better waiting.” 

1811 findet Marys älterer Bruder Joseph den 1,20 m langen Schädel eines riesigen Tieres, was sich später als Ichthyosaurus herausstellte. Ungefähr ein Jahr später fand Mary den Rest des Skeletts und wurde eine landesweite Sensation. Die Engländer zur Zeit Königin Viktorias waren überwiegend Kreationisten, sie glaubten, dass die Welt um sie herum exakt so ist seit sie erschaffen wurde, wie in der Genesis beschrieben. Die aufkommenden Behauptungen, all diese Fossilien seien Millionen Jahre alt und stammten von Kreaturen, die ausgestorben sind, sorgten für mächtige Unruhen, da sie die perfekte göttliche Vorsehung und Erschaffung in Frage stellten.

“For myself, it took only the early discovery of a golden ammonite, glittering on the beach between Lyme and Charmouth, for me to succumb to the seductive thrill of finding unexpected treasure.” 

Diese Kontroverse und natürlich ihre Funde machte Mary Anning sehr berühmt. Sie machte im Laufe ihres Lebens noch jede Menge weiterer großer Entdeckungen, zum Beispiel den ersten kompletten Plesiosaurus im Jahre 1824, gefolgt von ersten und nach wie vor sehr seltenen Dimorphodon im Jahr 1828. Der Dimorphodon war der erste Pterosarus, der außerhalb Deutschlands entdeckt wurde. Ihrem Geschlecht und ihre sozialen Stellung geschuldet wurde sie nie in eine der großen wissenschaftlichen Institute ihrer Zeit aufgenommen und viele Leute, die Fossilien von ihr kauften, beanspruchten Marys Erfolge für sich.

Heute, über 200 Jahre nach ihrer Geburt, beginnt Mary Anning langsam die Anerkennung zu bekommen, die sie verdient. In Lyme Regis wurde auf dem Grundstück ihres Geburtshauses ein ihr gewidmetes Museum eröffnet.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und möchte zu gerne einmal an den Strand in Lyme Regis und selbst nach Fossilien suchen.

Das letzte Buch für die Hirngymnastik ist ein Buch aus meiner Kindheit. Ich habe es bekommen als ich 6 oder 7 war und habe es heiß und innig geliebt. Das Buch machte mich zum Hardcore Dino Fan.

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Auch wenn dieses 1980 publizierte Buch wissenschaftlich nicht mehr auf dem neuesten Stand ist, blättere ich noch heute gerne darin. Die Illustrationen sind teilweise ganz schön brutal und blutig und eine Weile wurde das Buch von meiner Oma konfisziert, da ich T-Rex Alpträume hatte

 

Natürlich macht Jurassic Park großen Spaß und ich habe den Film auch extra für die Hirngymnastik wieder geschaut. Aber besonders ans Herz legen möchte ich euch die BBC Serie „Walking with Dinosaurs“ und den zauberhaften tschechischen Film  „Reise in die Urwelt“ von 1955 – mein absoluter Lieblingsfilm als Kind:

OK – Butter bei die Fische –  wer ist noch Dino-Fan und was ist euer Lieblingsdinosaurier?

 

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7 Kommentare zu “Hirngymnastik – Dinosaurier

  1. Das Buch hatte ich auch! Ich hab’s immer noch – steht heute bei meinem 7jährigen im Regal. Wie hieß noch mein Lieblings… na… ich hab’s gleich… S.44, der blau schillernde Nothosaurus. Heute würde ich vielleicht eher zum Quetzalcoatlus neigen. Im Nachbarort ist ein Sandsteinbruch, da hat mein Vater als Kind Fossilien ausgegraben und später auch mit uns Kindern Paläontologe gespielt. Zur Zeit, als mein Bruder klein war, entstand dort schließlich ein Dino-Park mit lebensgroßen Sauriern und Steinzeit-Tieren. Bin froh, dass ich jetzt mit eigenem Kind regelmäßig dahin kann. Ich liebe das.

    • Ui das klingt phantastisch. Ich hätte so einen Sandsteinbruch auch geliebt. Ich wollte ganz lange Archäologin werden 😉
      Irgendwie cool, dass Du das gleich Buch hattest und so schön, dass die nächste Generation es jetzt liest!

  2. Ich bin Dino-Fan seit ich denken kann und ich bin mir ziemlich sicher, daß wir das Dino-Buch damals in der Schule hatten.
    Früher war der Triceratops mein Lieblingsdino, heute ist es der Parasaurolophus.
    Der Große hat meine Liebe zu Dinos leider gar nicht geerbt, dafür ist der Kleine umso begeisterter! 😂
    Allerdings liebt er die Fleischfresser… Naja, nicht ganz meine Welt. Dafür kann er mit drei Jahren schon Tyrannosarurus von Allosaurus unterscheiden. 😂

  3. Das ist eine sehr schöne Kegel-Ausgabe!
    Remarkable Creatures will ich auch noch lesen und nach Lyme Regis fahren wir zusammen.
    Die Frage nach meinem Lieblings-Dino ist schwer zu beantworten. Auf jeden Fall einer ohne Federn! Was für ein Quatsch. Vor kurzem wurde Bajadasaurus pronuspinax rekonstruiert, der ist sehr cool, aber ob es zum Liebling reicht? Ich bin unentschlossen.

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