Fiesta. The Sun also rises – Ernest Hemingway

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„Fiesta“ war mein Zusatz-Leseprojekt für den Bookclub, in dem wir im Juni „The Paris Wife“ diskutiert haben. „Reading another Hemingway for some extra points“ – da kann man doch nicht nein sagen. Es ist immer spannend, ein Buch nach vielen Jahren wiederzulesen. Ich konnte mich an wenig erinnern, außer das die Handlung zwischen Paris und Pamplona wechselt, viel getrunken wird und es unter anderem um Stierkämpfe geht. Und ich mochte es damals, trotz der Stierkämpfe. Ich war gespannt, wie gut „Fiesta“ ein Wiederlesen bekommen würde.

“I can’t stand it to think my life is going so fast and I’m not really living it.”

“Don’t you ever get the feeling that all your life is going by and you’re not taking advantage of it? Do you realize you’ve lived nearly half the time you have to live already?”

“Nobody ever lives their life all the way up except bullfighters.”

Die Schriftsteller der sogenannten „Lost Generation“ wurden vom ersten Weltkrieg vollkommen überrascht und in jeder Hinsicht durch ihn geprägt. Die Industrialisierung hat den Krieg in eine Menschen-Vernichtungsmaschine bis dahin unbekannten Ausmasses verwandelt, die die Menschheit für immer verändern sollte. In „Fiesta“ treffen wir Mitglieder dieser Lost Generation, die allesamt psychisch und/oder physisch vom Krieg gezeichnet sind.

“It is awfully easy to be hard-boiled about everything in the daytime, but at night it is another thing.”

Im Zentrum der Handlung steht Lady Brett Ashley, eine Bitch vor dem Herrn. Sie ist extravagant, extrovertiert, hat eine Affäre nach der nächsten und liebt doch eigentlich nur Jack, der im Krieg verletzt wurde und daraufhin – was ich erst reichlich spät begriffen habe – impotent ist. Ich glaube nicht, dass Lady Brett absichtlich die Menschen in ihrem Umfeld verletzt, sie ist destruktiv, hat ihre wahre große Liebe im Krieg verloren und unglücklich in den armen Jake Barnes verliebt. Tragik wohin man blickt. Die Leere in ihrem Leben versucht sie mit Alkohol und Sex zu füllen und zerstört sich dabei nicht nur selbst.

“You ought to dream. All our biggest businessmen have been dreamers.”

In den ersten Kapiteln in Paris erscheinen und verschwinden die Charaktere mit einer derartigen Geschwindigkeit, das es mir teilweise etwas schwindelig wurde und ich nie sicher war, ob die jeweilige Person nochmal auftaucht, für den Fortlauf der Geschichte noch bedeutsam wird oder nicht, aber im sonnigen, heißen Pamplona legte sich die Hektik. Dort wird ausgiebig gegessen, getrunken, die Stierkämpfe besucht, gestritten und geliebt.

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In Pamplona beginnt Lady Brett nach einer kurzen Affäre mit Robert Cohn, einem amerikanischen Juden,  eine Liason mit Petro Romero, einem jungen Stierkämpfer, und dem Star der Fiesta. Lady Brett hat alle Hände voll zu tun, sowohl ihren Verlobten, als auch ihre große Liebe Jack und den noch immer um sie kämpfenden Robert Cohn im Zaum zu halten. Sie bricht Herzen  im Sekundentakt und ist doch eigentlich nur auf der Suche nach sich selbst.

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Wer aber tatsächlich richtig leidet unter allem ist Jake. Er schmachtet Brett an und kann sie doch nicht besitzen, ist todeseifersüchtig auf Cohn, dafür das er das haben konnte, was ihm versagt bleibt und beginnt doch zu realisieren, dass er selbst ohne Impotenz-Problem auch nur ein weiterer x-beliebiger Liebhaber Bretts sein würde. Der längerfristige Erfolg seiner Beziehung zu Brett ist gerade seine Impotenz, denn alle Männer, die sie in ihr Bett lockt, verlieren daraufhin ihre Männlichkeit, eine der wenigen Sachen, die er nicht mehr verlieren kann.

Ich glaube nicht, dass Hemingway wirklich an die Liebe geglaubt hat und vielleicht wären seine Bücher dann auch weitaus weniger interessant. Ich mag seine Sprache, die Bilder die beim Lesen in meinem Kopf entstehen. Ich glaube ich habe aber auch einfach eine Schwäche für Autoren, die wunderschön über den Regen schreiben können. Und das kann er.

“And you’ll always love me won’t you?
Yes
And the rain won’t make any difference?
No”

N_ghFoto: Blog HipHop.de

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4 Kommentare zu “Fiesta. The Sun also rises – Ernest Hemingway

  1. Ach, Hem. An ihm scheiden sich die Geister…und oft auch an Fiesta, da ist das alles drin, was ihn so ausmachte. Ich habe es trotzdem gerne gelesen, auch wenn der ganze Machismo leicht aufgesetzt wirkte zwischendrin (denn jetzt wissen wir ja: harte Schale, weicher Kern, ein Image, an dem er selbst zerbrach).

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