Die Stimmen von Marrakesch – Elias Canetti

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Manche Orte haben einfach einen ganz besonderen Zauber, allein die Namen verursachen bei mir schon „itchy feet“ – ich will sofort den Seesack packen und los. Marrakesch ist so ein Name oder Kashmir, Tanger, Sansibar, Saigon … Die Realität hält dem Zauber nicht immer stand, wie ich in Saigon feststellen musste, Tanger hingegen hat mich wirklich verzaubert und Marrakesch nähere ich mich vorab schon einmal literarisch.

Während unseres Andalusien-Urlaubs hatte ich die Hoffnung, einen Abstecher nach Marokko machen zu können, daher die Lektüre-Auswahl. Leider waren wir dafür in der falschen Ecke Andalusiens, aber das klappt schon noch mal.

Dieses schmale, bezaubernde Buch des Literatur Nobelpreisträgers Elias Canetti ist die Geschichte eines staunenden, neugierigen westlichen Reisenden, der durch das exotische, fremde Marrakesch streunt und an jeder Ecke kleine Wunder findet. Canetti versteht es, einen mitzunehmen. Man ist wirklich dort, sieht, spürt, atmet und riecht Marrakesch.

Er porträtiert das Alltagsleben in 14 kurzen flirrenden Skizzen: die Geschichtenerzähler in der Djema el Fna, die Heerschaaren an Bettlern und Straßenkindern, er „gatecrashed“ eine gerade beendete Hochzeit, besucht Bazaare, Cafés, eine Schule  und ist bestürzt ob der misshandelten Kamele und Esel. Er ist fasziniert von der Kultur, der Sprache und den Menschen (ganz besonders den Frauen, wie mir scheint) was sich in seiner wundervoll warmherzigen Stimme, seiner Wissbegierigkeit und seiner humorvollen Offenheit zeigt.

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“Die Entschlossenheit eines dummen Menschen ist unerschütterlich.”

„Ich wünsche jedem Gepeinigten seine Lust im Elend“.

Mir hat die wehmütige, leichte Atmosphäre des Buches ungemein gefallen. Wunderbar, damit am Strand zu liegen und sehnsüchtig über das Meer zu blicken.

War es vorher allein der Name „Marrakesch“, der mich faszinierte, spätestens nach dieser Lektüre wollte ich umgehend meine Taschen packen und Canetti gleich an jeder Ecke ein Abenteuer finden.

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3 Kommentare zu “Die Stimmen von Marrakesch – Elias Canetti

  1. „Die Realität hält dem Zauber nicht immer stand…“ genau dieses Gefühl hatte ich nach der Lektüre von „Die Stimmen von Marrakesch“ und bin nicht nach Marokko aufgebrochen. Canetti versteht es Stimmungsbilder zu erzeugen, die dieses Büchlein zu einem ganz großen der Reiseliteratur machen und es uneingeschränkt empfehlen lassen.
    Bei Tanger ging es mir dank der Javier-Falcón-Reihe von Robert Wilson anders. Sevilla wird bilderbuchartig beschrieben, während Tanger als erschreckender Moloch gezeigt wird und einen von einer Reise abhält. Beide Beschreibungen haben mich begeistert, dennoch zieht es mich nicht nach Spanien und Marokko. Einige andere Reiseziele sind dringender.

    Liebe Grüße
    Midori

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