Einsame Schwestern – Ekaterine Togonidze

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Dieses Jahr freuen wir uns auf Georgien als das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018. Schon auf der Leipziger Buchmesse dieses Jahr durfte ich kurz die Autorin Ekaterine Togonidze kennenlernen, deren Roman „Einsame Schwestern“ im Septime Verlag erscheint.

Ekaterine Togonidze studierte Journalismus an der Tbilisi Universität und arbeitet danach als Nachrichtensprecherin und Moderatorin für das georgische Fernsehen. Ihr Roman „Einsame Schwestern“ war als bester Roman für den Saba Literaturpreis nominiert. Es ist die Geschichte der siamesischen Zwillinge Lina und Daina, die unter mysteriösen Umständen ums Leben kommen.

Ihr Vater Rostom erfährt erst nach ihrem tragischen Tod von ihrer Existenz und lernt dann mehr über sie, als er sich Seite für Seite durch ihre schmerzhafzen Tagebuch-Eintragungen liest.

Togonidze_by_Teona_Dolenjashvili

Foto: Septime Verlag

Auch wenn sie von der Hüfte abwärts zusammengewachsen sind, so sind die beiden doch ganz unterschiedliche Individuen mit klar definierten und separaten Persönlichkeiten. Die eher lässige, glückliche Lina, die als romantisch-optimistische Seele Gedichte in ihr Tagebuch schreibt und die in den kleinsten Details Glück und Zufriedenheit findet.

Diana hingegen ist rauer und realistischer, sie nimmt ihre Situation nicht einfach so hin und ist oft wütend. Wie alle Geschwister streiten sie sich häufig und sind auch oft neidisch aufeinander, doch im Gegensatz zu anderen können sie sich niemals zurückziehen, haben nichts nur für sich allein und können ihre aufgestauten Gefühle nur in ihrem Tagebuch loswerden.

Bis sie Teenager sind leben sie isoliert, versteckt von der Außenwelt und werden von ihrer Großmutter versorgt. Das fällt der alten Frau zunehmend schwer und oft kann sie im ärmlichen post-sowjetischen Georgien, das wenig Sympatie für Behinderte hat, nicht einmal das Nötigste für die Mädchen auftreiben. Als die Großmutter stirbt sind sie vollkommen schutzlos und werden Opfer von unterschiedlichsten Misshandlungen. Sie werden sexuell und psychologisch missbraucht und man zwingt sie, als Monstrositäten in einem Zirkus zu arbeiten.

„Der Direktor hat uns heute so viel Geld gegeben wie noch nie. Wie viel müssen wir zur Seite legen? Wohin sollen wir dann gehen? Finden wir eine andere Arbeit? Alles muss geplant werden. Ich könnte wie Großmutter Lesen und Schreiben unterrichten… Oder sind wir nur zum Spaß der anderen da? Mein Gott, warum sind wir so, wie wir sind? Gibt es noch mehr Menschen wie uns?“

Eine düstere melancholische Geschichte, die dennoch durch eine ganz besondere Atmosphäre besticht. Ein erschütterndes Buch, das einem noch lange nachgeht und eine junge Autorin, von der ich sehr gerne noch mehr lesen möchte.

Ich danke dem Septime Verlag für das Rezensionsexemplar.

 

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Ein Kommentar zu “Einsame Schwestern – Ekaterine Togonidze

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