Meine Woche

Gesehen: The Platform (2019) von Galder Gaztelu-Urrutia. Spanischer Sci-Fi Horror um eine Platform, ein geheimnisvolles Gefängnis mit einer unbekannten Anzahl von Ebenen und zwei Insassen, die einen unmenschlichen Kampf ums Überleben führen, der aber auch eine Chance auf Solidarität birgt. Fand ich gut.

Suicide Squad (2016) von David Ayer mit Margot Robbie, Will Smith, Viola Davis und Clara Delevigne. Superhero Film der auf der gleichnamigen DC-Comic Reihe beruht. Joah, kann man sehen, gibt bessere.

Angela Carter of Wolves and Women (2018) von Jude Ho. Ein düsterer Streifzug durch Angela Carters außergewöhnliches Leben mit seltenen Archiv- und Familienfotos und Beiträgen von Angelas Freunden, Familie, Studenten und Bewunderern.

Drum Wave (2018) von Natalie Erika James. Atmosphärischer Horror Short Film um eine junge Pianistin die mit ihrer Angst vor Mutterschaft konfrontiert wird, als sie in eine abgelegene Inselgemeinschaft mit bizarren Fruchtbarkeitsritualen einheiratet.

Gehört: Streichquartett in Es-Dur – Fanny Mendelssohn, Evigt Mörker – DEN SORTE DØD, Burial – God is an Astronaut, Dvergmál – Sigur Rós, Cities last Broadcast – Cryo Chamber, Fade Into You – Miley Cyrus, I know the End – Phoebe Bridgers, Chemtrails over the Country Club – Lana Del Rey, New World – Front Line Assembly

Gelesen: 185 Schauspielerinnen und Schauspieler haben sich im SZ-Magazin geoutet, Paramedics facing abuse in the Covid Crisis, How Nothingness became everything we wanted, dieses Interview mit Jodie Foster, Carolin Emcke zur Gefahr die in der Mitte der Gesellschaft lauert, wofür steht Alexej Nawalny, die AFD und der Verfassungsschutz

Getan: einen spannenden Zoom Call mit Benedict Wells, einen Geburtstags Zoom mit der Schwiegermama, seit langem mal wieder laufen gewesen, Yoga gemacht und allein und mit einer Freundin spazieren gegangen

Gegessen: Veganer Zitronenkuchen mit Pistazien

Getrunken: selbstgemachten Yogi-Tee

Gefreut: über tolles Feedback und wie hübsch der Februar aussieht

Geweint: nein

Geärgert: nein

Geklickt: auf diese Rede von Charlotte Knobloch, das Jahr 2020 als Episoden einer Endzeit-Serie, 10 ikonische Gebäude der amerikanischen Googie-Architektur

Gestaunt: der Mond in Echtzeit und in diesen Fotos, über diese Schneebilder, über diese schwebende Bedürfnisanstalt, über das Ulmer Nest – solarbetriebene Schlafzellen für Obdachlose und über diese wunderschönen Bilder von Nicolas Moegly

Gelacht: über diese Terminbürste

Gewünscht: in diesen Raum, dieses Notizbuch, diese Boxhandschuhe

Gefunden: nix

Gekauft: einen Wok

Gedacht: „Women have already decided abortion is legal“

Vom Ende der Einsamkeit – Benedict Wells

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Ich freue mich, auf dem Blog der Bingereaderin als eigentliche Küchenfee (und nicht als Literaturbloggerin) eine Gastrezension zu einem ganz wundervollen – soviel vorab – Buch schreiben zu dürfen. 

Benedict Wells zeichnet eindrucksvoll das Porträt einer Familie, deren Dasein durch den frühen Tod der Eltern, verursacht durch einen Autounfall, nicht nur erschüttert, sondern komplett auf den Kopf gestellt wird. Eben noch bewundert der 7-jährige Protagonist die Schönheit seiner Mutter und versucht, die Tiefgründigkeit seines Vaters zu durchdringen, schon stehen die 3 Geschwister als Waisen im Internat, in dem sie künftig – aufgrund des unterschiedlichen Alters – auf verschiedenen Fluren und damit weitestgehend getrennt voneinander leben werden. Dieses Leben im Internat verläuft bei allen dreien unterschiedlich, insbesondere, was den Umgang mit der Trauer angeht. Liz, die große Schwester, gerät zunehmend in einen Strudel aus Alkohol, Sex und Drogen, während Jules, der Protagonist,  eine Leere in sich spürt, die in einer sehr prägnanten, nachvollziehbaren Sprache daherkommt und daher für den Leser deutlich spürbar wird. Einzig Marty, der älteste Bruder, scheint einigermaßen die Kurve zu bekommen, findet Anschluss im Internat und lebt später in einer festen, dauerhaften Beziehung.

Überhaupt, das Buch strotzt nur so vor greifbaren Empfindungen, die in einer Sprache ausgedrückt sind, die sofort mitfühlen lassen, die tief gehen. 

„Was, wenn es Zeit nicht gibt? Wenn alles, was man erlebt, ewig ist und wenn nicht die Zeit an einem vorübergeht, sondern nur man selbst an dem Erlebten?“

In der Schule ist Jules ein introvertierter Außenseiter. Zunächst aus Mitleid setzt sich Alva, eine rothaarige Mitschülerin, neben ihn. Im Laufe der Zeit freunden sie sich zudem an. Zum Ende der Schulzeit bricht der Kontakt dann jedoch für mehrere Jahre ab, obwohl beide immernoch regelmäßig aneinander denken. 

Bei einem Wiedersehen ein paar Jahre später ist Alva zur Enttäuschung von Jules bereits verheiratet mit einem deutlich älteren Schriftsteller. Es folgt eine Zeit des gemeinsamen zusammenlebens zu Dritt, in deren Verlauf sich die Geschichte nochmals um 180 Grad wendet, aber ich möchte auch nicht zuviel verraten. 

„…erst spät habe ich verstanden, dass in Wahrheit nur ich selbst der Architekt meiner Existenz bin.“

Fakt ist jedoch, wer – wie ich – manchmal – und bei manchen Themen besonders – nah am Wasser gebaut ist, Sollte die letzten 50 Seiten nicht in der Öffentlichkeit lesen. Das Buch ist eine Ode an Tragik und Melancholie. Taschentuchalarm! 

Eine absolute Leseempfehlung von mir.