#WomeninSciFi (35) The Heart goes last – Margaret Atwood

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Die Sci-Fi Women haben einen freien Sonntag gefordert, was will man machen – da fügt man sich natürlich. Deshalb ab jetzt #WomeninSciFi immer samstags. Heute hat die Grand Dame der speculative Fiction das Zepter in der Hand:

Gute Dystopien oder Atwoods bevorzugter Begriff „spekulative Fiktion“ sagen viel mehr über unsere aktuellen Probleme und den Zustand unserer Gesellschaft aus, als über eine mögliche Zukunft. Dieses Genre beherrscht Atwood einfach. Dieser Roman ist nicht ganz so stark wie die „Oryx und Crake“ Reihe, aber ein etwas schwächerer Atwood ist immer noch besser als vieles andere.

Wenn man auf der Straße lebt, weil die Wirtschaft komplett zusammengebrochen ist und so gut wie nichts mehr funktioniert oder die Gesellschaft zusammenhält, man sich vor marodierenden Banden schützen muss, bekommen auch extreme Angebote eine gewisse Attraktivität.

Charmaine und Stan, beide etwa Mitte Dreißig, sind nach dem Absturz aus ihrem Mittelklasse-Leben gezwungen im Auto zu leben, sie leben von Essensresten die sie finden, jeder Tag ein neuer Überlebensakt.

Das seltsame Angebot übermittelt sich ihnen in Form eines TV Spots in dem Interessenten für das Positron Projekt in Consilience (Wortspiel aus „Con“ für convict = Straftäter und „resilience“ = Anpassungsfähigkeit) gesucht werden. Der Deal: sie leben künftig einen Monat als glückliche Mittelstandsfamilie mit hübschem Haus, Motorroller und Arbeitsplatz – und einen Monat im Knast.

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Du bekommst alles auf dem Tablett serviert, aber während du im Knast bist, ziehen am Wechseltag deine „Alternates“ in dein Haus, sitzen auf deinem Sofa und essen von deinen Tellerchen. Musik- und Fernsehprogramm sind auf beruhigende Doris Day und Frank Sinatra Schmonzetten beschränkt, aber Beggers can’t be choosers und der eine Monat Knast lässt sich auch irgendwie überstehen und vielleicht hält es ja auch die Liebe frisch, wenn man sich immer nur alle zwei Monate sieht.

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Charmaine und Stan lassen sich auf den Deal ein und insbesondere Charmaine fällt es anfangs sehr leicht, die Werbetrommel-Ansagen der Positron Leitung zu glauben. Sie gleitet in ihr Stepford Wife Leben und ist eigentlich rundum glücklich, obwohl die ihr zugeteilte Aufgabe in der Euthanesie von unangepassten Außenseitern liegt. Der etwas skeptischere Stan arbeitet auf einer Hühnerfarm. Langsam aber sicher leben sich die beiden auseinander.

Als Charmaine dann eine Affaire mit ihrem „Alternate“ beginnt, wird alles richtig kompliziert und unabhängig voneinander merken Stan und Charmaine, was wirklich hinter den Gefängnismauern vor sich geht.

Das letzte Drittel des Buches wird dann recht bizarr mit seinen lebensechten Gummipuppen, den Heerscharen an Marilyn Monroe und Elvis Doubles und reichlich Sex. Kein Buch für moralisch schnell Erschütterte, aber eine spekulative Tour-de-Force, die sich mit Kapitalismus, Biotech, Neurowissenschaften und Identität beschäftigt.

„Would Doris Day’s life have been different, he muses, if she’d called herself Doris Night? Would she have worn black lace, dyed her hair red, sung torch songs?”

Auch wenn sie gelegentlich über das Ziel hinausschießt, man merkt Atwood an, wieviel Spaß sie beim Schreiben dieser seltsamen 50er Jahre Gesellschaftskonstellation hatte. Das Buch steckt voller spannender Ideen und Spekulationen, es ist teils Satire, teils Science Fiction und stellenweise unglaublich witzig.

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Seine Freiheit aufgeben für noch so edle Zwecke ist und bleibt eine schlechte Idee, egal wie heroisch das Set-up auch ursprünglich vielleicht ist, am Ende fliegen einem soziale Experimente wie diese einfach unweigerlich um die Ohren.

Ich habe das Gefühl, Atwood hat mit jedem Buch mehr Spaß am Schreiben. Von altersmilde oder ruhiger werden keine Spur. You go Girl, ich warte schon sehnsüchtig auf ihr nächstes Buch.

Hier ein tolles Interview zu „The Heart Goes Last“

 

Auf deutsch ist das Buch unter dem Titel „Das Herz kommt zuletzt“ im Berlin Verlag erschienen.

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#WomeninSciFi (34) Blackout – Connie Willis

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Wir schreiben das Jahr 2060 und Oxford, ist ein ziemlich chaotischer Ort mit Heerscharen von zeitreisenden Historikern, die in die Vergangenheit geschickt werden. „Blackout“ dreht sich um drei Historiker, die an unterschiedliche signifikante Orte während des 2. Weltkriegs geschickt werden und dann Probleme haben, wieder in ihre Zeit heimkehren zu können.

Nicht nur die Aufträge der jeweiligen zeitreisenden Historiker werden immer gefährlicher, der ganze Krieg und die Geschichte selbst scheinen völlig außer Kontrolle zu geraten.

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Die bislang immer zuverlässig funktionierenden Zeitreisemechanismen weisen Fehler auf und irgendwann fragen sich die Historiker, ob ihre felsenfeste Überzeugung, dass ein zeitreisender Historiker die Vergangenheit nicht ändern kann, wirklich so stimmt.

Das ist keine leichte Kost, denn Ms Willis hat ihre Recherche ernst genommen, für die sie etwa 8 Jahre brauchte. Man erfährt unglaublich viel über den Krieg aus ganz unterschiedlicher Sicht – über die Erfahrungen der Kinder, die aus London in den Norden des Landes evakuiert werden, über die Evakuierung der britischen Soldaten aus Dünkirchen und die ersten Wochen der Bombardierung Londons.

Willis streut kleine persönliche Geschichten mit ein und auch, wenn die Zeitreisenden theoretisch stets wissen was passieren wird, sind sie doch beruhigt, wenn alles so ausgeht, wie sie es erwarten.

Eine große Warnung muß ich aussprechen: mir war bei Beginn der Lektüre nicht klar, dass das Buch kein richtiges Ende hat, da es sich um den ersten Teil eines Buches handelt. Im Buch „All Clear“ geht es weiter und man sollte diesen Band eventuell schon zur Hand haben, denn ein Wiedereinstieg in die Geschichte ist ziemlich schwierig, wenn zu viel Zeit vergeht.

Ein intensives Buch, das Leuten gefallen wird, die sich für die Geschchichte des 2. Weltkriegs interessieren, es ist kein Pageturner, aber spannende und interessante Lektüre.

Auf deutsch erschien das Buch unter dem Titel „Dunkelheit“ im Cross Cult Verlag.

#WomeninSciFi (33) The Hunger Games – Suzanne Collins

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Keine Ahnung, warum ich so lange einen Bogen um diese Trilogie gemacht habe. War es der Hype vor ein paar Jahren oder war es mein Gefühl Shirley Jacksons Kurzgeschichte „The Lottery“ verteidigen zu müssen, bei der für meinen Geschmack doch ganz ordentlich gewildert worden war? Was immer es war, spätestens meine diesjährige Reading Challenge verlangte nach einer Trilogie, „The Hunger Games“ stand schon seit ein paar Jahren im Regal, auch von meiner Herzdame in den höchsten Tönen empfohlen, es sollte also einfach sein. Somit habe ich als vermutlich so ziemlich letzter Mensch auf diesem Planeten die Tribute von Panem gelesen.

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Was soll ich sagen? Ich war überrascht. Es hat mir so viel besser gefallen als erwartet, auch wenn ich nach wie vor der Überzeugung bin, Ms Jackson hätte zumindest eine Erwähnung verdient und niemand sollte die Trilogie lesen, ohne der vielleicht besten Kurzgeschichte der Welt davor oder danach Tribut zu zollen.

Das Reich Panem, früher Nord-Amerika, entstand, nachdem die Bevölkerung aufgrund des Klimawandels und den danach folgenden Kriegen erheblich dezimiert wurde. Panem ist aufgeteilt in zwölf Distrikte, die die Aufgabe haben, die reiche und technisch weit fortgeschrittene Hauptstadt mit Lebensmitteln und allen notwendigen Gütern zu versorgen. Vor vielen Jahren gab es einmal 13 Bezirke, im dreizehnten startete irgendwann eine Revolution, die von der Hauptstadt mit aller Macht niedergeschlagen und der Distrikt und seine Einwohner zerstört wurden.

In Erinnerung an dieses Ereignis und um seine Macht zu demonstrieren veranstaltet die Hauptstadt jedes Jahr die „Hunger Games“: Der Todeskampf von 24 gegeneinander antretenden Teenagern (jeweils ein Mädchen und ein Junge aus jedem Distrikt, die per Lotterie ausgelost werden) in einer riesigen Todesarena, die voller sadistischer Fallen und Fernsehkameras steckt. Big Brother goes Dschungelcamp goes Hunger Games. Die ganze Nation sieht der bizarren Todesshow zu, die Kostüm- und Maskenbildner der Todeskandidaten bringen es zu zweifelhaftem Starkult und der Gewinner – und es kann nur einen Überlebenden geben – kehrt ebenfalls als Star reich und berühmt in seinen Heimatdistrikt zurück.

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Foto: giantfreakinrobot

Die sechzehnjährige Katniss Everdeen lebt in Distrikt 12, einem der ärmsten Distrikte. Seit ihr Vater bei einem Minenunglück ums Leben gekommen ist, kümmert sie sich um ihre Mutter und ihre Schwester. Sie geht mit einem Freund illegal zur Jagd und versorgt die Familie so mit Nahrung, ihre Mutter agiert aufgrund ihrer Kräuter- und Heilkenntnisse als Ärztin. Katniss ist tough, die geborene Überlebenskünstlerin und Kämpferin, dabei aber gutherzig und gerecht.

“You don’t forget the face of the person who was your last hope.”

“Destroying things is much easier than making them.”

Bei der Auslosung in Distrikt 12 wird nicht Katniss gewählt, obwohl ihre Chancen hoch waren durch die Anzahl der Lose die sie bereits im Topf hatte, sondern ihre kleine Schwester. Katniss entscheidet, sich für ihre Schwester zu opfern, fest davon überzeugt, dass sie sich damit einem Todesurteil ausliefert, da es seit Jahrzehnten keinen Gewinner mehr aus dem ärmsten Distrikt 12 gegeben hat.

“District 12: Where you can starve to death in safety.”

Ihre Jagderfahrung, ihr guter Menschenverstand und ihre Intelligenz zeigen sich als großer Vorteil im Wettkampf und sie besiegt vieler ihrer reicheren, besser in Kampftechniken und besser ernährten Kontrahenten aus den reicheren Distrikten. Im Laufe des Wettkampfs kommt sie auch dem Jungen aus ihrem Distrikt immer näher ohne sich darüber klarzuwerden, ob sie wirklich in ihn verliebt ist oder ob sie die Liebesgeschichte nur für die Kameras spielt.

„Winning will make you famous. Losing means certain death.

“Kind people have a way of working their way inside me and rooting there.”

“At some point, you have to stop running and turn around and face whoever wants you dead.The hard thing is finding the courage to do it.”

Auch wenn das Konzept nicht wirklich bahnbrechend neu ist und auch die Sprache nicht umwerfend literarisch, für mich kam die Stärke des Buches durch die komplexen Charaktäre, die Collins kreeiert. Sie schafft eine Welt, die erschreckend realistisch ist und eine Heldin, die von der ersten Seite an fasziniert, auch wenn sie oft fürchterlich anstrengend ist. Die Bände zwei und drei beschäftigen sich mit der Revolution, die sich nach Katniss‘ und Peetas Sieg in den Distrikten ausbreitet. Die Folgebände können es an Tempo und Spannung mit dem ersten Band gut aufnehmen.

Wie gerne hätte ich als Jugendliche solch eine Trilogie gelesen, die mir aber auch als Erwachsene viel mehr gegeben hat, als ich es erwartet habe.

Ich habe den ersten Teil der Verfilmung vor Jahren im Kino gesehen, ohne die Bücher zu kennen und stieg nicht wirklich durch. Ich überlege, ob ich mir die Verfilmung jetzt noch einmal anschauen möchte?

Falls jemand zweifelt, ob sich die Trilogie lohnt, klare Empfehlung von mir. Die perfekte Lektüre für stürmische Herbst-Sonntage.

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Foto: coinworld

Die Trilogie ist auf deutsch unter dem Titel „Die Tribute von Panem“ im Oetinger Verlag erschienen.

#WomeninSciFi (32) Future Home of the Living God – Louise Erdrich

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This week my dear Bookclub friend Lynn and I collaborate on this review for Louise Erdrich’s „Future Home of the living God“. Lynn is always insanely busy and asking her for a book review what stress her out, so I sneakily asked her opinion on the discussion we had during Bookclub discussion and this way I managed to get her wonderful writing and ideas without stressing her 😉

Here a quick glance about the book from the editor:

„The world as we know it is ending. Evolution has reversed itself, affecting every living creature on earth. Science cannot stop the world from running backwards, as woman after woman gives birth to infants that appear to be primitive species of humans. Twenty-six-year-old Cedar Hawk Songmaker, adopted daughter of a pair of big-hearted, open-minded Minneapolis liberals, is as disturbed and uncertain as the rest of America around her. But for Cedar, this change is profound and deeply personal. She is four months pregnant.

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Though she wants to tell the adoptive parents who raised her from infancy, Cedar first feels compelled to find her birth mother, Mary Potts, an Ojibwe living on the reservation, to understand both her and her baby’s origins. As Cedar goes back to her own biological beginnings, society around her begins to disintegrate, fueled by a swelling panic about the end of humanity.

There are rumors of martial law, of Congress confining pregnant women. Of a registry, and rewards for those who turn these wanted women in. Flickering through the chaos are signs of increasing repression: a shaken Cedar witnesses a family wrenched apart when police violently drag a mother from her husband and child in a parking lot. The streets of her neighborhood have been renamed with Bible verses. A stranger answers the phone when she calls her adoptive parents, who have vanished without a trace. It will take all Cedar has to avoid the prying eyes of potential informants and keep her baby safe“

Followed by the brilliant interpretations by Lynn:

First, some general thoughts not specifically related to the Catholicism angle. I spent some time thinking about the quote from The Guardian’s review of the book: “The power of female fertility is simultaneously so mundane as to be overlooked and so significant that it remains the principle battleground in culture and gender wars, a tool or a weapon to be appropriated by those who seek to control the masses. Feminists and writers of speculative fiction have long known this. “The control of women and babies has been a feature of every repressive regime on the planet,” wrote Margaret Atwood earlier this year, on why her 1985 novel The Handmaid’s Tale is resonating so forcefully in the age of Trump.” In thinking about the Margaret Atwood quote, I wondered why this would be a common factor of repressive regimes because there doesn’t seem to be a direct link. I think it’s not so much that political regimes try to control women’s bodies, but that regimes are simply acting in the same way that men in general have acted throughout history when they try to establish power by taking control over a woman. It’s not enough to just control what a woman wears (=headscarves) or does (=the jobs they can have), but the ultimate power is to control the main thing which a woman can do that a man can’t, which is to have a baby.  I think that people who oppose abortion, but at the same time accept capital punishment are not truly concerned about the moral issue of taking a life, but that they cannot accept that an individual woman could be allowed to make a moral decision herself (=is it morally okay to end a pregnancy?) and instead think this needs to be dictated by society, which is largely controlled by men.

Now to the Catholicism angle, which actually isn’t related directly to Catholicism, but the overall Judeo-Christian view of life. It was Eva who screwed things up at the very beginning by being guilty of original sin (tempting Adam to eat the apple) and who caused the fall from paradise. I’m not a bible scholar, but I believe that there are several places in the bible where women are guilty of tempting men to sin. And as far as I can tell, lust and passion are pretty high up on the list of sins. I just did a fast google search of bible quotes and here’s one example: “Put to death therefore what is earthly in you: sexual immorality, impurity, passion, evil desire, and covetousness, which is idolatry.” (Colassians 3:5) Here’s another one I found amusing: “But if they cannot exercise self-control, they should marry. For it is better to marry than to burn with passion.” (1 Corinthians 7:9)

Reading the bible leaves the impression that those telling the stories were uncomfortable with passion and lust and that if somebody was experiencing passion or lust, probably it was a woman’s fault. We then have a dilemma in that a lustful Mary tempting Joseph into bed would not be the ideal parents for the Son of God. Solution: no lust or passion and no Mother of God as a temptress, hence a virgin birth. I think that Erdrich is basically retelling the story of the virgin Mary, showing how you can take a real event and twist it into something else you feel more comfortable with. Cedar’s real name is Mary and she sleeps with Phil (fun fact: the Greek meaning of “phil” is love, e.g. philosophy means love of wisdom). She calls Phil an angel because he has put on costume wings when they sleep together. But Phil is just a normal guy and when he gets tortured he even betrays Mary although he loves her. Who knows, maybe the baby Jesus also had parents just messing around in a costume trunk and the whole reason they started messing around is because Joseph whispered something sexy into Mary’s ear – which later got twisted around to saying that word made her pregnant and it was an angel whispering that word.

So in this book we’ve got a modern day Mary, but now we’ve got a quasi-government taking control over women’s bodies including Mary’s. Plus we’ve also destroyed our planet in the meantime and as a result evolution started going backwards. This means the likelihood of having a modern day Jesus born by a modern day Mary is extremely unlikely, or in other words, the chance of their being a future home (=the womb) for another Son of God (e.g. a living god) is rapidly disappearing.

Having written this, I’ve decided the book is not really criticizing Catholicism, but is retelling the story without the biblical slant, e.g. no need to get rid of the passion or sanitize Mary into becoming a virgin. It’s also showing that by screwing up the planet we put the chance for our redemption at extreme risk. Jesus is our savior, but if he isn’t born in the first place, how can he die for our sins? (I don’t think Erdrich is saying that we literally need a new Jesus, it’s just an analogy.)  In the book, it could be that Mary’s baby (or a future baby) has survived and will turn out to be Jesus who will fix everything, but chances are slim. And then having a bunch of messed up men trying to take control of women’s bodies to solve the crisis is only compounding it. So probably this is the end and we’re not going to have any living god to save us because that living god’s future home was first messed up by our ruining the planet and then further messed up by men trying to get it back under control.

 

 

#WomeninSciFi (31) Legend Trilogie – Marie Lu

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Frau Wonnie von den Münchner Küchenexperimenten ist in Raumstationen eher für das realistisch-bodenständige zuständig und es ist gar nicht so einfach, sie Science Fiction-technisch aus ihrem Orbit zu locken.

Dystopien schaffen das aber immer mal wieder und natürlich lauerte ich schon darauf, wann sie endlich mal wieder zu entsprechender Lektüre einer Autorin griff, um sie für die #WomeninSciFi Aktion zu gewinnen.

Mit „Legend“ und „Prodigy“ stellt sie die ersten beiden Bände der Young Adult Triologie von Marie Lu vor, die mit dieser Dystopie, die in einer düsteren militärischen Zukunft spielt, ihren Durchbruch erzielte und die aktuell gerade verfilmt wird.

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Wir befinden uns in der ehemaligen USA, die nun eine Republik ist, die sich im Krieg mit ihren Nachbarn befindet. Die Hauptakteure sind June, die eine Elite-Familie geboren wurde und in einem der reichsten Bezirke der Republik aufwächst, und Day, der das genaue Gegenteil darstellt – arm und aufgewachsen im Slum.

Day ist einer der meistgesuchtesten Kriminellen – seine Beweggründe sind jedoch keinesfalls schlechte: Er versucht einfach nur, seine Familie zu ernähren und sich um  seinen kranken Bruder zu kümmern.

Man erfährt nicht viel, wie es zu der “neuen Welt” kam und das Buch ist eine klare Dystopie, wie sie auch heute schon oft zu spüren ist: Arm gegen reich. An einer tödlichen Seuche erkrankte und Gesunde. Jugendliche nehmen an Tests teil, die ihre Fähigkeiten beweisen sollen.  Die besten werden zu einer Elitearmee ausgebildet. Die schlechtesten… nun ja.

June gehört zu einer der besten. Als ihr Bruder, dem sie sehr nahe steht, weil sie quasi ohne Eltern aufwächst, getötet wird, fällt der Verdacht auf Day. June will nur eins – Rache. An Day.

Dafür begibt sie sich auf die dunkle, arme Seite und “mischt sich unters Volk”. Und gerät direkt in eine gefährliche Situation, aus der ihr herausgeholfen wird. Von Day, aber das weiß sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie schläft mit Day und seiner Ziehschwester Tess unter einer Brücke und lernt die zwei dort besser kennen. Ein Science-Fiction-Element darf natürlich auch nicht fehlen – June, 15 Jahre, kann in fünf Sekunden ein fünfstöckiges Haus hochklettern und Kugeln ausweichen. Day verfügt über spidermanartige Fähigkeiten.

Am Ende kriegen sie Day aber doch.

Im zweiten Band der Trilogie „Prodigy“ hat June zwischenzeitlich erfahren, dass es nicht Day war, der ihren Bruder getötet hat, und das seine Motive eigentlich ganz nobel sind. Es hilft sicher auch, dass sie sich zwischenzeitlich in ihn verliebt hat.  Deswegen unterstützt June Day bei seiner Flucht aus der Gefangenschaft der Republik. Das funktioniert nicht ohne Hilfe. Diese suchen sie ausgerechnet bei den Patrioten, einer rebellischen Gruppe. Sie machen sich auf den Weg nach Las Vegas, um sich diesen anzuschließen.

Als sie dort ankommen erfahren sie, dass der alte Elector, Oberhaupt der Republik gestorben ist und sein Sohn Anden die Nachfolge antritt. Die Patrioten jedoch planen, den Nachfolger auszuhalten, damit eine Rebellion losgetreten wird wird. Sie spannen June und Day für ihre Zwecke ein. Dazu wird June wieder in die Republik geschickt, um sich “einzuschmeicheln” und Reue zu bekennen. June kommt Anden nahe, vielleicht zu nahe…

Den dritten Band hebe ich mir noch etwas auf. Die Bücher lassen sich flüssig lesen, die Geschichte ist zeitweise recht spannend, aber man merkt schon, dass die Zielgruppe eher Teenager sind.

Auf deutsch erschien die Serie unter dem gleichnamigen Titel im Loewe Verlag.

#WomeninSciFi (30) Company Town – Madeleine Ashby

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Foto: Tor

Woohooo mit Madeleine Ashbys “Company Town” gab es endlich mal wieder Cyberpunk und es wird Zeit für ein Comeback. In ihrem Roman, der in der näheren Zukunft spielt, hat sich nahezu jeder den Körper pimpen lassen mit Implantaten die sie stärker, schlauer und grundsätzlich anpassungsfähiger an ihre Umwelt machen. Fast alle, aber nicht unsere Protagonistin Go Jung-Hwa, eine Halb-Koreanerin/halb Neufundländerin und Tochter eines verbitterten ehemaligen K-Pop Sternchens. Sie arbeitet als Bodyguard für die Gewerkschaft der Sex-Arbeiterinnen auf einer Ölplattform-Stadt in der Nähe der neufundländischen Küste.

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Hwa leidet am Sturge-Weber-Syndrom, das einen portweinfarbenen Fleck quer über ihr Gesicht verursacht und sie unter gelegentlichen Krampfanfällen leiden lässt. Sie hätte schon auch gerne die entsprechenden Implantate die ihre Krankheit heilen, aber ihr fehlt das notwendige Geld dazu. Auf der anderen Seite macht es sie als komplett organischer Mensch auch absolut un-hackbar. Gerade dadurch, dass sie ein ganz stinknormaler old-school Mensch ist, ohne Chips und Implantate, sieht sie keiner kommen und es macht sie zwischen den ganzen genetisch aufgepeppten Cyborgs um sie herum zu einer Wildcard. Dies erweist sich im Laufe der Geschichte als äußerst vorteilhaft für sie, insbesondere als sie den Auftrag erhält, als Bodyguard für den reichen Sprößling eines mächtigen Tycoons zu arbeiten, der gerade die Ölplattform-Stadt auf dem Wasser gekauft hat.

Doch noch während ihrer Tätigkeit als Beschützerin der Sexarbeiterinnen beginnt jemand, die Sexarbeiterinnen im Jack-the-Ripper-Style umzubringen…

Hier geht es aber nicht so sehr um eine „echte“ Person im Kampf gegen eine Welt voller Cyborgs, sondern viel mehr um die Zukunft unserer posthumanistischen Welt. Hwa wird in einen Kampf zwischen unterschiedlichen Zukunftsvisionen hineingezogen und man gerät insbesondere zum Ende des Buches hin schon recht tief in die abgefahrenere Ecke des Futurismus, wie zum Beispiel Rokos Basilisk…

The dance took place on a viewpoint level of Tower Four. Each hour, the whole floor would make a single revolution, so couples at tables could see both the city and the ocean. This was by far its lowest-tech feature. The Synth-Bio Club had engineered all manner of plants and animals just for the occasion: grabby little tentacular vines that climbed up the walls, twirling maple keys that danced and spun in the air like pixies and spiralled up from whatever surface they touched, butterflies that dampened signal by flapping their Faraday wings.“

Der rote Faden und Ankerpunkt in all der Abgefahrenheit bleibt die Protagonistin Hwa, die man sich als Mischung aus Jessica Jones und Lisbeth Salander vorstellen kann. Sie ist kein happy Bunny. Genervt von ihrer anstrengenden Mutter, von Schuldgefühlen geplagt ihre Sexarbeiter-Freundinnen im Stich zu lassen und sie schrammt mit ihrer Einstellung ihrem Aussehen gegenüber auch nur sehr knapp an Selbsthass vorbei. Die meisten Menschen/Cyborgs um sie herum haben Implantate die sie davor schützen hässliches sehen zu müssen, so dass fast niemand Hwas Gesicht sehen kann, sie sehen an dessen Stelle sowas wie eine Bildstörung, was natürlich auch nicht gerade dazu führt ihr Selbstbewußtsein zu stärken.

“She had been invisible—or blurred, or filtered, or hidden—for so long that whether she wanted to be seen rarely came up.”

Ein wiederkehrendes Motiv für Hwa ist der Master Control Room, etwas, dass sie sich immer wieder vorstellt wenn sie sehr wütend ist, Angst hat oder kurz davor ist einen Krampfanfalls zu bekommen. Sie sieht einen Raum voller Schalter, Knöpfe und Regler, die sie bedienen kann, um sich selbst zu kontrollieren und sie davon abhalten, sich oder andere zu verletzen. Sehr faszinierend die Idee, dass einer der wenigen, nicht durch Implantate verbesserte Mensch sich selbst als Maschine mit komplexem Regulierungssystem sieht.

Ashby hat eine unglaublich dichte Welt erschaffen voll technischer Möglichkeiten, die uns in Zukunft teilweise sehr wahrscheinlich begegnen werden. Die Charaktere sind greifbar, entwickeln sich und die verschiedenartigen Beziehungen werden auf spannende Weise beleuchtet. Hwa ist gleichzeitig der Inbegriff von Stärke und doch so fragil. Ihre Entwicklung insbesondere ist tiefgründig, sehr persönlich, aber nie überzeichnet.

Ein etwas komplizierter Pageturner, über den man noch lange nachdenken kann – ein ganz großes Highlight für mich.

Hier noch ein interessantes Interview mit der Autorin:

Auf deutsch erschien das Buch unter dem Titel „Company Town – Keiner ist mehr sicher“ im Arctis Verlag.

#WomeninSciFi (29) Vom Ende An – Megan Hunter

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WAS WIR ANFANG NENNEN, IST OFT DAS ENDE,
UND EIN ENDE MACHEN HEISST EINEN ANFANG MACHEN
AM ENDE BRECHEN WIR AUF.“
(T. S. ELIOT, VIER QUARTETTE)

Das hier ein Dystopie-Fan zu Hause ist, dürfte man wahrscheinlich bereits bemerkt haben, vielleicht aber auch das ich da nicht einfach zu kriegen bin, denn Atmosphäre, Sprache, dahinter liegende Philosophie müssen stimmen, damit ich auch wirklich drauf anspringe.

Megan Hunters Debut hat zuerst durch das wunderschöne Cover neugierig gemacht. Aber nicht nur. Das sie mit einem Gedichtband auf der Shortlist des Bridport Prizes stand, merkt man dem Roman an, erinnern die kurzen Sätze allein vom Druckbild her eher an Gedichte als an einen Roman.

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Während die steigenden Meeresspiegel ganz London zu überfluten drohen und damit eine Bedrohung katastrophalen Ausmasses auslösen, treffen wir auf eine namenlose junge Frau die kurz davor ist ein Kind zu gebären.

„Mein üblicher Zynismus ist von Angst vertrieben worden, der Angst vor Schmerzen, vor Kontrollverlust, vor allem, was blutig ist und sich dehnt.

Der Augenblick der Geburt steht mir bevor wie früher meine Entjungferung, wie der Tod. Das Unvermeidliche, im Innern verborgen und irgendwo draußen auf der Lauer.“

Zeitgleich fast mit ihrer Fruchtblase reißen auch die Dämme und nur Tage nach der Geburt ihres kleinen Jungen Z ist die kleine Familie gezwungen ihre Wohnung zu verlassen und sich in Sicherheit zu geben. Sie wandern von Ort zu Ort, auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe. Die Mutter ist hin- und her gerissen zwischen Angst und Staunen ob der ersten Berührungen und Entdeckungen ihres kleinen Sohnes in diese beunruhigende Welt hinein. Glücklich und neugierig, trotz aller Unsicherheiten.

Es ist die Geschichte einer jungen Mutter die nicht nur mit ihrer neuen Rolle zurecht kommen muss, sondern sich auch in einer zunehmend fremden Welt wider findet. Megan Hunter hat ein überaus poetisches seltsam schönes Buch geschrieben, das ein mögliches Zukunftszenario beschreibt – realistisch und bedrohlich und doch voller Liebe und Hoffnung.

„Vom Ende an“ erinnert gelegentlich an Cormac McCarthy’s „The Road“ wobei das ja nahezu jedem dystopischen Roman mittlerweile nachgesagt wird. Es ist ähnlich distanziert, hat für mich aber deutlich mehr Poesie und Hoffnung. Es ist aus der Sicht der Mutter geschrieben, der Vater bleibt eine Randfigur und wir erleben nur den Anfang dieser bedrohlichen Katastrophe.

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Die Charaktere bleiben durchweg namenlos, einzig durch ein Initial erkennbar, dadurch fällt es dem Leser schwerer eine Bindung zu den Protagonisten aufzubauen. Dadurch aber wird die Katastrophe selbst umso realistischer. Jeder von uns könnte R oder S oder Z sein, das macht die Geschichte so greifbar, lässt die Bedrohung und den Horror ganz langsam einsickern und vorstellbar werden.

„Ich bewege meine Hand über die Wege der fleckigen Wand, geäderte Wasserpfade als Aufzeichnung all der Tage, die wir nicht erlebt haben.“

Vielleicht hätte ich mir die Protagonisten etwas dreidimensionaler gewünscht, aber es lebt auch ganz klar von seiner spartanen spröden Schönheit. „Vom Ende an“ ist ein besonderer, einzigartiger Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Vielleicht sollte man den Roman wie Gedichte mehrfach lesen, um ihn Schicht für Schicht freizulegen und ihm immer mehr seiner Geheimnisse zu entlocken.

Es wundert mich nicht, dass Benedict Cumberbatch sich hier die Filmrechte gesichert hat, ich bin schon sehr auf die Verfilmung gespannt und caste zwischenzeitlich schon mal die Hauptdarstellerin 😉

Ich danke dem C. H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.