Day 4 – Quintessentially British

Wilkie Collins

 

“My hour for tea is half-past five, and my buttered toast waits for nobody.”

Day 4 and we are still on the classics, not sure what to do about that. „The Women in White“ is so quintessentially british and on top of that it was the book that hooked me into the Gothic Novel Genre that I’m still a huge fan of. The book was published in 1860 in serial form in Charles Dickens‘ magazine „All year round“ and in „Harper’s Weekly“ in the US and at it’s time caused as much furore as Netflix‘ series like Orange is the New Black, Stranger Things etc nowadays.

Serialized fiction was enormously popular in the Victorian era and most novels at the time first appeared as installments in weekly or monthly magazine. Charles Dickens wildy successful „The Pickwick Papers“ in 1836 is considered to have been the founding stone of the serialized format. During that time there was basically no real distinction between „quality“ and „commercial“ literature. The Sherlock Holmes stories also famously appeared first in serialization in „The Strand“ magazine.

But let’s go back to the famous „The Woman in White“. On the evening before his trip to Cumberland where the art teacher Walter Harthright plans to teach the half sisters Marian Halcombe and Laura Fairlie at Limmeridge House, he bumps into a scared women clothed completely in white on his way home to his lodgings in London around midgnight.

He accompanies her to the city centre and she leaves him there without telling him her name. But she does mention that she spent her childhood in Limmeridge House. After her disappearance he overhears a conversation that makes him assume she escaped from a lunatic asylum.

Hartright is still shaken from his encounter the evening before. He tells Marian Halcombe about his encounter and the try together to solve the mystery of the Woman in White. They identify her as a previous pupil of Marian’s and Laura’s mother.

Walter of course falls in love with the pretty Laura Fairly who seems to reciprocate his feelings, but the is already engaged with the shady Sir Percival Glyde. This is why the honorable Hartight reminds Laura of her obligations and leaves Limmeridge House to go on an expedition to Honduras without confessing his love to Laura.

 

Shortly before his departure Laura receives an anonomys letter which warns her to marry Sir Percival. It turns out the letter was written by the Woman in White who looks astonishingly similar to Laura. Walter meets the mysterious woman and she confesses to him that Percival Glyde has a terrible mystery that could destroy him, but she vanishes before she can let the secret out ….

There are more twists and turns to come and telling you everything would totally rotten the experience for you to read it. This is a book you will find yourself totally wrapped up in unable to stop without finishing one more chapter and another one and maybe just one more…

I recently listened to it as an Audiobook in a dramatized version and I loved it like the first time when I read it years ago, when I lived in London and was sitting on Hampstead Heath reading the book and having to escape to a nearby pub from a surprise thunderstorm – so fitting for this novel.

So I hope you will enjoy the novel, be it in London, in a pub on Hampstead Heath or just on your sofa at home.

You can get the book in German as „Die Frau in Weiß“ at dtv.

What would be your quintessentially British novel that you would recommend to read?

 

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Connection with Reader could not be established

 

 

Es wird wieder einmal Zeit für einen Rückblick über die Bücher, die nicht funktioniert haben für mich in der letzten Zeit. Ich schwärme euch ja deutlich lieber die Ohren voll, aber da hier ja schonungslos jedes Buch erwähnt wird, das ich lese, muss ich auch zu denen stehen, bei denen es partout nicht schnackeln wollte zwischen uns.

Da ich mittlerweile sehr genau auswähle, was ich lesen will und mich deutlich seltener überreden lasse, geht es bei den meisten hier auch um überraschende Enttäuschungen. Die Bücher wollte ich alle lesen und mögen, aber keines von denen konnte wirklich eine Verbindung zu mir herstellen.

Ich bewundere ja immer die „echten“ Literaturkritiker, die sich dann ganz selbstsicher sagen „schlechtes Buch“, belanglos, doof, ich zweifele da schon eher an meinem Geschmack und glaube auch, es gibt für jedes Buch eine richtige Zeit, die habe ich hier vielleicht nicht immer erwischt.

Ich möchte also niemanden aktiv auffordern diese Bücher NICHT zu lesen, ich berichte nur kurz und schmerzlos drüber, warum die für mich nicht funktioniert haben.

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The Opposite of Loneliness – Marina Keegan

Als das Buch im Bookclub auf der Votingliste stand, habe ich umgehend dafür gestimmt. Zum einen hatte ich es bereits zu Hause, zum anderen war ich aber auch sehr gespannt darauf. Die tragische Geschichte um die viel zu früh verunglückte Autorin hat dem Buch insbesondere im angloamerikansichen Raum viel Aufmerksamkeit beschert.

Kurzgeschichten und Essays können bei mir auch häufiger mal daneben gehen und bei „The Opposite of Loneliness“ war das ganz klar der Fall. Ich fand die Geschichten einfach nicht sonderlich interessant. Es ging viel um Privilegien, um Beziehungen und sie waren durch die Bank weg recht traurig, was eigentlich eher ein plus von meiner Seite aus ist. Ich hatte große Schwierigkeiten, in die Geschichten reinzukommen, die Protagonisten von einer zur nächsten auseinanderzuhalten und war einfach etwas gelangweilt.

Die non-ficition Essays gefielen mir etwas besser, aber ich muss ehrlich sagen, ich habe das Buch irgendwann genervt in die Ecke geworfen. Das Bookclub Treffen selbst verpasste ich dann leider, aber die meisten tendierten durch die Bank weg zu „hmmmm ja“ hatte ich den Eindruck von dem, was ich nach dem Treffen hörte und was die Goodreads Bewertungen aussagten.

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The Blackwater Lightship – Colm Toibin

Nicht viel besser erging es mir mit dem Buch aus dem Monat davor im Bookclub. Ich glaube auch eines derer, für das ich gestimmt habe, denn die beiden Bücher, die ich vorher von ihm las, hatten mir beide richtig gut gefallen (The Master und Brooklyn) und bei der Lesung von „Nora Webster“ vor einigen Monaten im Literaturhaus habe ich mich ebenfalls bestens unterhalten.

Dieses Buch spielt in den 1980er Jahren um den an AIDS erkrankten schwulen Declan, wird aus der Sicht seiner Schwester erzählt, die er bittet, die Nachricht an seine Mutter und Großmutter weiterzugeben und dreht sich darum, wie eine zerbroche Familie versucht zu heilen, während der Sohn im Sterben liegt.

Ich konnte mit den Figuren wenig anfangen, die blieben mir allesamt fremd und ich fand die Leuchtturm/Meer Metaphern etwas überzeichnet. Das Buch hat fast durchweg gute Kritiken bekommen und war 1999 auch für den Booker Prize auf der Shortlist. Bestimmt ein gutes Buch, aber irgendwas hat mir hier gefehlt.

Sorry Colm, not this time 😦

The Circle – Dave Eggers

Hier weiß ich mich zumindest in einigermaßen guter Gesellschaft. „The Circle“ fanden viele nicht sonderlich gut, meine ich mich zu erinnern und der Film, der gerade rauskam, bekommt auch eher maue Kritiken.

Ich fand das Thema interessant, hab es anfangs auch ganz interessiert gelesen, irgendwann war ich nur noch gelangweilt. Die eindimensionale Protagonistin Mae Holland ging mir tierisch auf die Nerven, einen Spannungsbogen konnte ich auch nicht entdecken und irgendwann war es mir einfach egal, ob noch was passiert. Hab nur noch quergelesen, es wurde immer absurder und irgendwann mochte ich dann nicht mehr.

Ich hatte das Gefühl im Kreis zu lesen, ein Roman wie ein nie enden wollender Wired-Artikel.

 

 

Arcadia – Iain Pears

Niiiiemals hätte ich damit gerechnet, mich bei diesem Buch so fürchterlich zu langweiligen. Irgendwann in den 90ern habe ich „The Instance of the Fingerpost“ gelesen und weiß noch, wie ich eine ganze Nacht durchgelesen habe, weil es so spannend und gut geschrieben war.

Ich hatte mich so auf das Buch gefreut. Die perfekte Lektüre für den einwöchigen Urlaub zu Hause, wo ich mich gespannt durch diesen Schinken fräsen wollte. Die Kritiken auf Goodreads waren richtig gut, immer wieder wurde es mit David Mitchells „Cloud Atlas“ verglichen und es hatte auch alle Zutaten, die auf ein spannendes Leseabenteuer hoffen lassen: Zeitreise, dystopische Zukunft und eine Shakespeare-Welt mit komplexen Strukturen und miteinander verwobenenem Plot.

Nach über 200 Seiten mochte ich nicht mehr. Es war einfach fad, bis auf Rosalind fand ich die Charaktere auch nicht weiter spannend und bis auf die Passagen, in denen es um Psychomathematik und Paralleluniversen ging, war es auch nicht „geekig“ genug für meinen Geschmack.

Welches Buch habt ihr zuletzt in die Ecke geworfen und warum?

Hier die links zu den deutschen Ausgaben:

  • Marina Keegan „Das Gegenteil von Einsamkeit“ ist im Fischer Verlag erschienen
  • Colm Toibin „Das Feuerschiff von Blackwater“ ist im dtv Verlag erschienen
  • Dave Eggers „Der Circle“ ist im Kiepenheuer & Witsch Verlag erschienen
  • Iain Pears „Arcadia“ ist bei Faber & Faber erschienen (englisch)

Hirngymnastik Psychologie

Es wird Zeit für die nächste Hirngymnastik! Mit der Psychologie habe ich mich jetzt eine ganze Weile beschäftigt, denn da kam immer wieder Neues und Spannendes dazu und die Liste an zu rezensierenden Büchern für diese Ausgabe wuchs und wuchs. Jetzt mache ich einfach mal Halt, auch wenn ich noch ewig weiter spannende Bücher aus dem Bereich Psychologie/Hirnforschung finden und lesen könnte.

Begonnen habe ich mit einem Fast-Lehrbuch, das mir eine Freundin aus meinem Bookclub ausgeliehen hatte, die es während ihres Psychologie-Studiums in den USA nutzte und es mir als Standard-Einstiegswerk ans Herz legte. Hierbei handelt es sich um „Psychology – An Introduction“ von Charles G. Morris und Albert A. Maisto.

 

Psychologie entstand als eigenständige Disziplin 1879 als Wilhelm Wundt, ein deutscher Arzt in Leipzig, das erste Labor einrichtete, das sich ausschließlich mit psychologischen Studien, Experimenten und Forschung beschäftigen sollte. Wundt war auch der erste, der sich selbst als Psychologe bezeichnete. Die frühen Väter der Psychologie (ja alles Männer), sind beispielsweise Hermann Ebbinghaus, ein Pionier in der Erforschung des Gedächtnisses, William James, der amerikanische Gründer des Pragmatismus und Ivan Pavlov, der sich mit klassischer Konditionierung beschäftigte.

Kurz nach der Entwicklung der experimentellen Psychologie entstanden unterschiedlichste Zweige der angewandten Psychologie. Stanley Hall und John Dewey brachten die wissenschaftliche Pädagogik zwischen 1880 und 1890 von Deutschland in die USA und Hugo Münsterberg begann, über die Anwendung der Psychologie in der Industrie, Gesetzgebung und anderen Feldern zu forschen.

Die erste psychologische Klinik wurde ebenfalls in den 1890er Jahren von Ligthner Witmer eröffnet. Währenddessen entwickelte Sigmund Freud in Wien einen ganz eigenen Zugang zur Erforschung des menschlichen Geistes, den er Psychoanalyse nannte und der überaus einflussreich war.

Die Kritik auf Wundts Empirismus führte zur Entwicklung des Behaviorismus, der insbesondere durch B. F. Skinner berühmt wurde. Der Behaviorismus legte Wert auf die Studie von offensichtlichen Verhaltensweisen, da diese quantifiziert werden konnten und einfach messbar waren.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden die Kognitionswissenschaften ganz groß, eine interdisziplinäre Wissenschaft zur Erforschung bewusster und potentiell bewusster Vorgänge.

„Psychology – An Introduction“ unterteilt sich in folgende Kapitel:

  • The Science of Psychology
  • The Biological Basis of Behavior
  • Sensation and Perception
  • States of Consciousness
  • Learning
  • Memory
  • Cognition and Language
  • Intelligence and Mental Abilities
  • Motivation and Emotion
  • Life Span Development
  • Personality
  • Stress and Health Psychology
  • Psychological Disorders
  • Therapies
  • Social Psychology

Das Buch gibt einen soliden Überblick, ist gut lesbar und stellenweise richtig spannend. Bin fast ein bisschen traurig, dass ich es zurückgeben muss, eventuell werde ich es mir doch kaufen, auch wenn es mit über 50,- € für eine gebrauchte Ausgabe nicht gerade günstig ist.

Nachdem der Einstieg gemacht war, beschäftigte ich mich mit „Welcome to your Brain“ von Sandra Aamodt, deren TED Talk mich damals zum Kauf ihres Buches animierte.

 

 

Der respektlose Führer durch die Welt unseres Gehirns von Samuel Wang und Sandra Aamodt gibt einen guten Überblick über unser Gehirn und seine Funktionen. Es geht nicht sonderlich in die Tiefe, ist aber gut geschrieben, leicht lesbar und somit ein empfehlenswerter Einstieg in die Neurowissenschaften.

Den Autoren sind hartgewonne Fakten und sorgfältig durchgeführte Studien wichtig und wollen den Leser dazu animieren, weniger auf Emotion und verbreitete Mythen über das Gehirn zu hören, als kritischer nachzufragen und zu recherchieren. Sie räumen im Buch mit einigen der Mythen auf, beispielsweise mit den sagenumwobenen 10% des Hirns, die wir angeblich nur nutzen, das Mozart hören Babys klüger macht oder das Impfstoffe Autismus auslösen.

Daneben geben sie praktische Tipps wie man z. B. mit Videospielen sein Gehirn schulen kann oder wie man das Hirn am besten überlistet, wenn man abnehmen will.

 

 

 

 

Für Film-Freaks vielleicht besonders interessant ist die Liste an Filmen, die neurologische Krankheitsbilder besonders gut beschrieben haben, (zB Memento, A Beautiful Mind und Awakenings) oder auch eher ungenau wie z. B. Total Recall und 50 First Dates.

Von den Beschreibungen psychologischer Störungen in Filmen geht es jetzt weiter mit folgendem Buch, das ebenfalls aus der Bibliothek meiner Bookclub-Freundin stammt.

„The Abnormal Personality through Literature“ von Alan und Sue Stone.

 

 

Ich fand das Konzept spannend, Auszüge aus Büchern der Weltliteratur zu nehmen und diese mit der korrespondierenden psychischen Erkrankung/Persönlichkeitsstörung zu matchen. Nicht alle Auszüge waren gleichermassen spannend und man merkt dem Buch den Zahn der Zeit an, denn „Homosexualität“ findet sich unter dem Kapitel „Perversions“.

Aufgeteilt ist es in folgende Kapitel:

  1. The Three Major Types of Abnormality (Texte von Anton Chekhov, Jean Stafford, Nicolai Gogol)
  2. The Struggle with Impulse (Texte von Victor Hugo, Thomas Mann und James T Farrell)
  3. Psychosis: The Break with Reality (Texte von Balzac, Shakespeare, Gogol, Fitzgerald, Sartre, Flaubert, Alphonse Daudet, Luise Rinser, Dostojewski, Maxim Gorky und Theodore Dreiser)
  4. Psychotic Synotoms (Texte von Edgar Allan Poe, Chekhov, Rilke, Eduardo Mallea, Conrad Aiken, Steinbeck)
  5. The Neuroses: Anxiety and Its Manifestations (Texte von Rudolf Besier, Nabokov, Graham Greene, Collette, Somerset Maugham)
  6. Neurotic Symptoms (Texte von Updike, Rilke, Melville, Hawthorne, Emily Dickinson, Thomas Mann, George Eliot, Luigi Pirandello, James Joyce, Marcel Proust, Chekhov, John Cheever)
  7. Character Disorders (Texte von Ivan Gonchorov, Willa Cather, Nikolai Leskov, Edmund Wilson, Pio Baroja, Thomas Mann, Chekhov)
  8. The Problem of Identity: An Approach to the Study of Social Adaptation (Texte von Richard Hughes, Sherwood Anderson, Alberto Moravio, August Strindberg, M. Saltykov-Schedrin, Leo Tolstoi)
  9. Perversions: The Deviations of Sexual Thought and Behavior (Texte von D. H. Lawrence, Thomas Mann, James Joyce, Lawrence Durell, Dostojewski, Bernard Malamud, Jean-Jacques Rousseau, Dorothy Parker, Andre Malraux, Nelson Algren)
  10. The Psychotherapeutic Process (Texte von Chekhov, Ivan Goncharov, T. C. Worsley)
  11. The Abnormal Personality in Childhood (Texte von William Carlos Williams, Katherine Ann Porter, Elizabeth Bowen, Isaac Babel)
  12. Psychiatry and the Law (Text von Shiga Naoya)

Die meisten Texte waren passend, haben einen guten ersten Einblick ins jeweilige Krankheitsbild gegeben und ich habe ein paar interessante Autoren besser oder überhaupt erst kennengelernt.

Den Abschluss meiner Psychologie-Gymnastik bilden zwei Bücher des von mir sehr geschätzten Psychologen und Philosophen Erich Fromm.

 

„Authentisch leben“ ist eine Sammlung verschiedener Essays, die Rainer Funk für diesen Band zusammengefasst und mit einem Vorwort versehen hat. Es geht darum, was unter Authentizität zu verstehen ist, wie häufig wir Worte gebrauchen, deren Sinn über die Zeit verändert wurde und deren Ursprung uns häufig nicht mehr klar ist. Fromm räumt da auf, er definiert, schafft Klarheit und belegt dann, dass es nur möglich ist wirklich authentisch zu leben, wenn man sowohl mit sich als auch mit seiner Umwelt in echten Beziehungen steht, nicht nur oberflächlich vor sich hin lebt.

Er weist auf die Hürden hin, die auf dem Weg zu einer solchen Authentizität liegen, die zu falscher Freiheit führen können. Er warnt vor überzogenem Invidiualismus und irrationalen Autoritäten. Ich bin beim Lesen gar nicht mehr aus dem Unterstreichen herausgekommen. Fromm ist jemand, der es immer wieder schafft, meine unklaren Gedanken zu sortieren und präzise in wunderbare Sätze zu packen:

„In eben diesem Sinne ist Freiheit … die Offenbarung der menschlichen Würde oder – anders gesagt – das Wesen des Menschen selbst, also das, was er ist und was er trotz aller durch seine Endlichkeit bedingten Schranken, Hindernisse und Grenzen zu sein vermag.“

„Selbsterkenntnis besagte von jeher, seine Grenzen zu überschreiten und zur Reife zu gelangen – bedeutete also, der zu werden, der wir potentiell sind.

„… es gibt nichts, dessen wir uns mehr schämen, als nicht wir selbst zu sein, und es gibt nichts, was uns stolzer und glücklicher macht, als das zu denken, zu fühlen und zu sagen, was wirklich unser Eigentum ist.“

„Die Furcht vor der Freiheit“ erschien 1941 unter dem Eindruck des herrschenden Faschismus und ist meines Erachtens dennoch aktuell wie eh und je. Er nähert sich dem Thema Freiheit aus verschiedenen Perspektiven und seine Einsichten beziehen sich auf historische Ereignisse, religiöse Dogmen, soziologische und anthropologische Beziehungen und psychologische Phänomene im Versuch zu verstehen, was der Preis ist, den wir für unsere Suche nach Freiheit und Individualität zahlen.

Denken wurde schon seit dem Anbeginn der Zeit als Sünde betrachtet, als Adam und Eva aus dem Paradies flogen, als sie sich für das Wissen und die Fähigkeit zum Denken entschieden und auch heute noch ist Bildung viel zu häufig gleichgesetzt mit dem Instandhalten der Kapitalismusmaschine und legt wenig Betonung auf Individualität und kritisches Denken.

Fromm warnt davor, unser ganzes Leben darauf zu konzentrieren, dem hinterherzulaufen, um zu bekommen was wir wollen, ohne wirklich zu wissen, wer wir eigentlich sind. Also nicht nach oben buckeln und nach unten treten, sich von falschen Autoritäten befreien und sein eigenes Denken stets hinterfragen.

„Das Recht der Gedankenfreiheit bedeutet jedoch nur dann etwas, wenn wir auch fähig sind, eigene Gedanken zu haben.“

Spaß hat mir auch der Crash Kurs „Psychologie“ der Brüder John & Hank Green gefallen:

Danke an alle, die bis hierher durchgehalten haben. Ich hoffe die Hirngymnastik Psychologie hat Euch Spaß gemacht, die nächte Hirngymnastik wird sich mit dem Thema „Meeresbiologie“ beschäftigen, ich hoffe ihr freut euch drauf.

Hier die Übersicht der Büche mit Link zur deutschen Ausgabe (wenn erhältlich):

Sandra Aamodt – Welcome to your brain
Alan & Sue Stone – The Abnormal Personality through Literature
Erich Fromm – Authentisch Leben
Erich Fromm – Die Furcht vor der Freiheit

Kreta by the Book – Summer Edition

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Eigentlich wollten wir ja brav zu Hause bleiben, an der Isar entlang radeln, in den heimischen Bergen wandern, im Biergarten mitgebrachtes Essen futtern, um auf unseren großen Kanada-Urlaub nächstes Jahr zu sparen. Ja eigentlich. Dann aber war die Wettervorhersage so unsicher und Vollzeitarbeitende und nebenbei studierende Bingereader Gattin schwer erholungsbedürftig und so beschlossen wir, kurzfristig und sehr last minute uns zwei günstige Wochen auf Kreta zu gönnen.

Gebucht und gepackt war schnell, die Bücherauswahl dauerte etwas länger, aber schließlich liessen sich doch zwei Griechenland-bezogene Romane in meiner heimischen Bibliothek auftreiben, das ganze wurde um etwas Strandlektüre erweitert und zack lagen wir schon kurze Zeit später lesend am Pool.

Auch der erschöpfteste Bingereader kann nicht ewig an Pool oder Strand rumliegen, daher haben wir natürlich auch ordentlich die Insel erkundet und eine liebe Freundin überrascht, die am anderen Ende der Insel wohnt.

Wir besuchten die hübschen Hafen-Städte Réthimno und Chania, stachen bei unserem Überraschungsbesuch in Milatos mit riesiger Badeinsel in See, wanderten und besuchten das Kloster Agia Triada.

Trotz allem blieb noch Zeit genug, sich durch einige Bücher zu graben, näher vorstellen möchte ich euch diese:

John Fowles – The Magus

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Gleich vorne weg, das Buch hat mich ziemlich umgehauen, „mind-blowing“ passt wie die Faust aufs Auge. Nicholas Urfe ist ein junger gut aussehender Typ, der 1953 in London mehr oder weniger ziellos durchs Leben treibt. Er ist ein echter Casanova, lebt ein ziemliches Bohemian-Intellektuellen Leben und versucht sich an der Poesie. Er ist ein typischer Vertreter der Kriegsgeneration, deren Kriegserlebnisse sie mehr oder weniger unfähig machen, wirklich zu lieben. Nicholas gerät dann eher durch Zufall an einen Job als Lehrer auf der kleinen abgelegenen griechischen Insel Phraxos.

Bevor er nach Phraxos geht, lernt er eine junge Australierin kennen, Alison Kelly. Sie haben eine Affäre, trinken beide recht viel und sind alles in allem ziemlich destruktiv. Am Ende des Sommers geht er nach Phraxos und sie beginnt einen Job als Stewardess, ihre Beziehung lassen sie unausgesprochen offen, man will sich mal besuchen und dann mal schauen was passiert.

Auf der Insel gerät er in den Bann eines älteren reichen Typen namens Maurice Chovis, der ihn in ein Gewirr aus niemals endenenden Mind-Games verwickelt. Immer, wenn man glaubt, man hat den Grund des Rätsels erreicht, entpuppt sich dies wieder als doppelter Boden und ein weiteres Geheimnis tut sich auf. Freunde der Mystery-Serie „Lost“ kommen hier ganz auf ihre Kosten. Es passieren jede Menge ziemlich abgefahrene Sachen, es wirkt als habe David Lynn sich mit Aldous Huxley auf der Insel getroffen und sie hätten Unmengen Ouzo getrunken, einen Sonnenstich bekommen und dann gemeinsam ein Buch geschrieben.

“It came to me…that I didn’t want to be anywhere else in the world at that moment, that what I was feeling at that moment justified all I had been through, because all I had been through was my being there. I was experiencing…a new self-acceptance, a sense that I had to be this mind and this body, its vices and its virtues, and that I had no other chance or choice.”

Das Buch ist wunderbar geschrieben und obwohl mit über 700 Seiten ein ziemlich dickes Ding, eines, das man nicht aus der Hand legen kann. Ein Mix aus psychologischem Thriller, jungianischer Lehre, voller Metaphern, Symbolen und jeder Menge Erotik, die noch einmal mehr überrascht, wenn man bedenkt, dass das Buch in den 1950er Jahren begonnen und 1965 veröffentlicht wurde.

„You are right. He did not. But millions of Germans did betray their selves. That was the tragedy. Not that one man had the courage to be evil. But that millions had not the courage to be good.” 

Ich fand das Buch absolut berauschend, konnte es gar nicht weglegen und muss unbedingt „The French Lieutnant’s Women“ noch mal rauskramen, ein weiteres Buch von ihm, das mir vor Jahren auch richtig gute gefallen hatte. Ich kann „The Magus“ wirklich empfehlen,  Punktabzug gab es, weil ich es stellenweise recht chauvinistisch fand.

“Greece is like a mirror. It makes you suffer. Then you learn.‘
To live alone?‘
To live. With what you are.”

Kennt jemand „The Magus“ oder ein anderes Buch von John Fowles ? Ich habe den Eindruck, er ist in Deutschland nicht sehr bekannt.

Mein zweites Buch war dann „as Greek as it gets“:

Margaret Atwood – The Penelopiad

Margaret Atwood

Es gibt wohl kein griechisches Buch, das bekannter ist als Homers Odyssee. Die Abenteuer von Odysseus, der nach dem Sieg von Troja versucht, endlich wieder nach Hause zu kommen. Nach jeder Menge Kämpfen mit Zyklopen, Dieben, Sirenen und anderem Ungemacht kommt er endlich nach 20 Jahren heim zu seiner loyalen brav wartenden Ehefrau Penelope, die von opportunistischen Verehrern umgeben ist, die seinen Weinkeller leeren und seine Vorräte auffuttern. Sein Sohn und er bringen die ganzen Verehrer und die verräterischen Mädge um, die mit den Verehrern unter einer Decke steckten und zieht die brave Penelope an seine Heldenbrust. Ende der Geschichte. Normalerweise.

Margaret Atwood gibt in diesem Büchlein Penelope eine Stimme und lässt sie die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen. Penelope existierte durchaus schon, bevor sie die Ehefrau von Odysseus wurde und sie erzählt uns ihr Leben aus dem Grab heraus, von der Geburt bis hin zu ihrem Ende. Wir lernen sie kennen, erfahren ihre Hoffnungen, Wünsche, Ängste und Sehnsüchte. Ein einfaches Leben hatte sie auf jeden Fall nicht. Wir erfahren, wie wenig Frauen zu sagen hatten, selbst Adlige wie sie. Sie wird an Odysseus verheiratet und mit ihm ins öde Ithaca verschifft, wo sie mit jeder Menge anderer Schwierigkeiten am dortigen Hofe zu kämpfen hat.

“Cleverness is a quality a man likes to have in his wife as long as she is some distance away from him. Up close, he’ll take kindness any day of the week, if there’s nothing more alluring to be had.” 

Macht hat sie keine und muss mehr oder weniger tun, was ihr gesagt wird. Als Odysseus in den Krieg zieht (ausgelöst durch die tückische Helena), übernimmt sie die Abläufe am Hof und macht das ziemlich gut. Ihr Ziel ist es, mehr zu erwirtschaften und den Hof zum blühen zu bringen, bis er zurückkommt. Dann tauchen irgendwann die ersten Verehrer auf und die Geschichte nimmt den uns bekannten Verlauf.

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Zumindest behauptet sie, ein schlechtes Gewissen zu haben. Die Mägde, die mit Penelope im Jenseits leben, haben da eine etwas weniger großmütige Auslegung der Tatsachen. Soviel zu den unzuverlässigen Erzählern und Geschichten, die stets so erzählt werden, wie sie einem in der jeweiligen Situation am besten passen.

“Water does not resist. Water flows. When you plunge your hand into it, all you feel is a caress. Water is not a solid wall, it will not stop you. But water always goes where it wants to go, and nothing in the end can stand against it. Water is patient. Dripping water wears away a stone. Remember that, my child. Remember you are half water. If you can’t go through an obstacle, go around it. Water does.”

Das dünne Büchlein liest sich schnell, die Sprache ist knapp, flüssig und überaus intelligent und der Plot sehr effizient mit einem guten Schuss Humor. Mir hat diese feministische Interpretation sehr gut gefallen, es darf meiner Ansicht nach bei keinem Griechenland Besuch fehlen. Habe mich nur geärgert, dass ich meine „Sagen des klassischen Altertums“ nicht eingepackt hatte, das wäre die perfekte Begleitlektüre gewesen.

So und jetzt ihr – welche Urlaubslektüre hat Euch in eurem Sommerurlaub dieses Jahr begleitet ?

„The Magus“ erschien auf deutsch unter dem Titel „Der Sammler“ im List Verlag erschienen.
„The Penelopiad“ erschien auf deutsch unter dem Titel „Die Penelopiade“ im dtv Verlag erschienen.

Augustus – John Williams

Augustus

 

Octavian ist ein junger Bücherwurm, eher an Philosophie als an Politik interessiert, schmächtig und häufig krank. Als sein Großonkel Caesar ermordet wird, findet er sich plötzlich damit konfrontiert, der mächtigste Mann Roms zu werden. Es gibt natürlich fiese Machtkämpfe, blutige Kämpfe and Tragödien, aber es scheint sein Schicksal zu sein, das korrupte Rom zu tansformieren und einer der größten Herrscher des Römischen Reiches zu werden.

Als „Augustus“ von John Williams bei unserer letzten Abstimmungsrunde im Bookclub als einer der Gewinner über die Ziellinie lief, musste ich innerlich ein bisschen weinen und hatte schon kurz mit dem Gedanken gespielt, das Buch zu schwänzen, denn fette historische Romane gehören nicht üblicherweise zu meinem Beuteschema und ich hatte gehörig Respekt vor diesem Buch.

John Williams – ein Autor der alle paar Jahre einmal wiederentdeckt wird – hat es aber unglaublich gut geschafft, der historischen Figur wirklich Leben einzuhauchen. Er zeigt die Protagonisten von ihrer menschlichen Seite, wir erleben Höhen und Tiefen,  ihre Erfolge, Sehnsüchte und Schicksalsschläge mit ihnen. Man fühlt sich beim Lesen des Buches als würde man durch ein Kaleidoskop schauen. In fiktiven Briefen, Tagebucheintragungen, Gedichten, Memos, Militärische Befehle, Petitionen und ärztliche Rezepte sehen wir die unterschiedlichen Facetten der Protagonisten. Der Kontext verändert sich ständig und nach und nach setzt sich das Bild der Charaktere zusammen, um sich durch den nächsten Brief vielleicht komplett zu verändern.

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„Augustus“ ist weniger ein Roman als eine Collage mit Dokumenten, Briefen und Fragmenten, die schimmernden Reflektionen verwirren, es ist nie ganz klar wo wir gerade sind, sowohl zeitlich, örtlich oder wer gerade an wen schreibt, aber im Laufe des Buches wird das einfacher und John Williams‘ Sprache ist so konkret, schnörkellos und doch poetisch, ich kam aus dem Unterstreichen gar nicht mehr heraus.

“It seems to me that the moralist is the most useless and contemptible of creatures. He is useless in that he would expend his energies upon making judgments rather than upon gaining knowledge, for the reason that judgment is easy and knowledge is difficult. He is contemptible in that his judgments reflect a vision of himself which in his ignorance and pride he would impose upon the world. I implore you, do not become a moralist; you will destroy your art and your mind.”

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“Horace once told me that laws were powerless against the private passions of the human heart, and only he who has no power over it, such as the poet or the philosopher, may persuade the human spirit to virtue.”

Ich hätte mir wirklich nicht träumen lassen, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte weiterzulesen. Der erste Teil des Buches handelt von Augustus‘ Aufstieg, beschrieben unter anderem aus der Sicht seiner besten Freunde Marcus Agrippa, Salvidienus Rufus und Gaius Octavius.

Im zweiten Teil kommen die Gefühle und Gedanken der Protagonisten stärker zur Sprache, hier lernen wir eher die persönliche Seite Augustus‘ kennen sowie die Frauen in seinem Leben, insbesondere hören wir die Stimme seiner Tochter Julia, die er über alles liebte, sie – ganz unüblich zu dieser Zeit – von den besten Lehrern ausbilden ließ und die er am Ende brutal verbannte. Wie unfrei die Frauen in Rom waren, selbst wenn sie den mächtigsten Häusern angehörten, war erschütternd für mich zu lesen. Sie wurden von klein auf strategisch verheiratet, als Geburtsmaschinen eingesetzt und hatten gefühlt nicht viel mehr Rechte als Sklaven.

„That which we call our world of marriage is, as you know, a world of necessary bondage; and I sometimes think that the meanest slave has had more freedom than we women have known.“

Foto: Wikipedia

John Williams hat den Frauenfiguren in „Augustus“ eine deutlich klarere Stimme gegegeben als den Männern, insbesondere im ersten Teil des Buches. Julia, Octavia, Livia zum Beispiel sind wunderbar herausgearbeite dreidimensionale Figuren, die mich enorm faszinierten.

Im dritten Teil kommt endlich Augustus selbst zu Wort. Man wird mit seiner existentiellen Einsamkeit konfrontiert und entdeckt wieder neue Nuancen seiner Persönlichkeit. Augustus ist eine Persönlichkeit, über die wir nach wie vor jede Menge und doch kaum etwas wissen und der geradezu einlädt, die Lücken phantasievoll aufzufüllen.

Ein Mann, der mit 25 Jahren bereits nahezu alles erreicht hat und als Imperator in die Geschichte eingehen wird, der seine Macht durch dynastische Ehen sicherte, die dem öffentlichen Augustus halfen, für die der private Augustus teilweise einen hohen Preis zahlen musste.

“I have come to believe that in the life of every man, late or soon, there is a moment when he knows beyond whatever else he might understand, and whether he can articulate the knowledge or not, the terrifying fact that he is alone, and separate, and that he can be no other than the poor thing that is himself.”

Ein Briefroman, den ich auch Menschen ans Herz legen kann, die nicht üblicherweise gern historische Romane lesen. John Williams ist ein außergewöhnlicher Schriftsteller und ich freue mich, dass „Stoner“ und „Butcher’s Crossing“ noch vor mir liegen.

Das Buch erschien auf deutsch unter dem gleichen Titel im dtv Verlag.

 

Short but Sweet

fullsizerender

Dieser Blog ist ja auch der schonungslose Einblick in die Tiefen der Bingereaderschen Leseseele. Kein Buch bleibt unerwähnt, aber da ich nicht immer Lust auf ausführliche Rezensionen habe und mir dann vermutlich auch nicht genug Zeit zum Lesen bliebe, hier mal ein Rundumschlag des bislang Unbesprochenen der letzten Wochen:

The Humanoids – Jack Williamson

Auf einem nicht benannten Planeten leitet der Physiker Forester ein geheimes Regierungsprojekt, bei dem es um die Konstruktion einer „rhodomagnetischen“ Bombe geht. Kurz darauf erscheinen „Humanoiden“ auf dem Planeten, die sich allerdings aus seiner Sicht innerhalb kürzester Zeit eher als Fluch denn als Segen herausstellen. Die Humanoiden haben die Direktive den Menschen zu dienen und zu gehorchen, nehmen ihnen jegliche Tätigkeit ab und versuchen, sie vor sämtlichen Gefahren zu schützen. Da aber schon Sport zu den als gefährlich angesehen Dingen gehöret, langweilen die Menschen sich schnell und wissen mit ihrer Zeit nichts mehr anzufangen.

Um die Menschen ruhig zu halten, verpassen die Humanoiden ihnen eine gehirnwäsche-artige Pille, die rundherum glücklich macht und „Euphoride“ heißt. Auch Foresters Projekt wird abgesetzt, da es als zu gefährlich gilt für ihn.

Der Roman beschäftigt sich mit dem Zwiespalt zwischen Sicherheit und Freiheit. Das schien sich grundsätzlich auszuschließen und es muss immer zwangsläufig zu einem Kompromiss kommen. Wird der Mensch es jemals schaffen, eine gesunde Balance zwischen beidem zu erreichen?

Geschrieben wurde das Buch schon 1949 und ich fand es unglaublich aktuell. Es ist ziemlich pseudo-wissenschaftlich mit all den rhodo-magnetischen Energiespektren, ich fand aber den Quantentheoretischen Ansatz zum Beamen nicht uninteressant. Klare Empfehlung für alle, die sich auch gerade mit Artifical Intelligence, Robotern etc beschäftigen und gute Unterhaltung suchen.

logicomix

Logicomix: Eine epische Suche nach Wahrheit – Apostolos Doxiadis

Eine phantastische Graphic Novel, die sich mit den wackeligen Grundfesten der Mathematik beschäftigt und der Odyssee des Philosophen und Mathematikers Bertrand Russell, der auf der Suche nach der absoluten mathematischen Wahrheit war. Seine Suche bringt ihn mit Mathematikern wie Gottlob Frege, Kurt Gödel und anderen zusammen und er findet in Ludwig Wittgenstein einen leidenschaftlichen Schüler, der sich später von ihm distanziert. Eine Suche, die viele Denker auch durchaus an den Rand oder mitten in den Wahnsinn hinein getrieben hat.

Es ist auch Russells persönliche Lebensgeschichte, seine Haltung als Pazifist im Krieg und seine endlose Suche nach der absoluten Wahrheit, die nicht nur sein privates Glück, sondern auch seine Karriere zu zerstören droht. Logicomix beleuchtet den immerwährenden Konflikt zwischen idealer Rationalität und der gar nicht perfekten und fehlerhaften Realität.

“The oldest story around: Instinct, Emotion, and Habit get the better of human beings.”

Wer nur eine Graphic Novel dieses Jahr lesen will oder überhaupt mal ausprobieren dem lege ich diese ans Herz.

“It’s been said before: ‚The sleep of reason produces monsters.”

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„Normal“ – Warren Ellis

In dieser dünnen Dystopie geht es um Menschen, die professionell in den Abgrund schauen und denen dann das passiert, wovor Nietzsche schon warnte: „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ So jemand ist Adam Dearden, von Beruf „Zukunftsstratege“ eine Sparte, die zivilen Ursprung hat und sich mit Themen wie Geoengineering oder auch Smarte Städte beschäftigt und grundsätzlich Wege zu finden sucht, wie der drohende Untergang zu vermeiden ist. Die zweite Gruppe Futuristen die es gibt sind die „Strategischen Prognostiker“, die ebenfalls versuchen, dem Untergang zu entgehen, sich aber auf militärische Dinge konzentrieren wie Kriegsführung mit Dronen, geopolitische Aufstände etc.

„People who have tried to look into the future in order to try to save the world and have been driven insane by it. The worst kind of insanity, Adam Dearden. We’ve all been sent mad by grief.“

Die erste Gruppe wird von Nonprofit-Organisationen bezahlt, die zweite von Firmen und globalen Sicherheitsgruppen. Beide Gruppen mögen sich nicht sonderlich, teilen aber ein gemeinsames Schicksal. Wer gut ist in seinem Job und sich Tag und Nacht mit den dunklen Seiten der Zukunft beschäftigt, landet irgendwann unweigerlich mit dem Syndrom „Abyss Gaze“ in „Normal“, einer Psychiatrischen Klink gemeinsam gesponsert von den Non Profits und den Konzernen, um die Futuristen wieder fit zu machen.

„The future arrived a couple of weeks ago and nobody noticed. Because that’s how the future always arrives. You don’t realize it’s here until you bump into it.“

Die Klinik „Normal Head“ liegt in der Wildnis Oregons innerhalb eines experimentellen Waldes. Auch Adam Dearden wird mit einer heftigen Form von „Abyss Gaze“ eingeliefert, die ersehnte Abschottung und Ruhe dauert jedoch nur einen Tag. Dann verschwindet ein Patient aus einem verschlossenen Zimmer und alles, was von ihm überbleibt ist ein riesiger Haufen lebender Insekten. Dearden versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen und kommt dabei einer Verschwörung auf den Grund, die die Grundfeste erschüttert wie wir über die Zukunft denken.

Düster und atmosphärisch, für paranoide Philip K Dick („Dickheads“) und „Was wäre wenn-Fans“ – unbedingt lesen.

„The thing about the future is that it keeps happening with you.“

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„Schnell, Dein Leben“ – Sylvie Schenk

Ein kurzer, wahnsinnig dichter Roman, der mir sonst durch die Lappen gegangen wäre, wenn ich ihn nicht wunderbarerweise vom Hanser-Verlag zugeschickt bekommen hätte. Das Leben in diesem Roman rauscht so schnell vorbei wie das eigene.

Louise wächst in den den französischen Alpen auf. Sie studiert in den 50er Jahren in Lyon, geht in Jazzkneipen, trifft spannende Leute, hat ersten Sex mit dem melancholischen Henri, der unter der Ermordung seiner Eltern im zweiten Weltkrieg leidet. Sie trennt sich von ihm und verliebt sich in den Deutschen Johann. Sie heiraten, leben gemeinsam in Deutschland und kommen immer wieder mit der Schuld der Deutschen und konkret auch mit Johanns Eltern in Kontakt.

Ein Buch, das sich mit Verantwortung beschäftigt und der Schwierigkeit, mit der eigenen Familie über Schuld zu sprechen. Der Stil ist gewöhnungsbedürftig, denn es wurde ausschließlich im Imperativ geschrieben. Eine wahnsinnig gute Sätze gibt es im Buch, ich teile hier nur einen, schließlich ist es ein dünnes Büchlein:

„Die Herkunft deiner Mutter war ein Tabu. Auch du hast deine Mutter totgeschwiegen. Aber manchmal, wenn du heute beobachtest, wie selbstverliebte Menschen von ihren verkrachten Existenzen in Fernsehsendungen berichten oder im Internet ihre kleinsten seelischen Regungen ausbreiten, empfindest du viel Mitgefühl und Zuneigung für diese Eltern, die nicht so viel Aufhebens um sich selbst gemacht haben, ihre Kindheitstrauma nicht breitgeschlagen haben, dem eigenen Kummer das Recht streitig gemacht haben, das Leben anderer zu verdunkeln, weil es nichts ändert zu klagen, weil man nur damit auffällt und andere belästigt.“

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„My Name is Lucy Barton“ – Elizabeth Strout

Unsere November-Lektüre im Bookclub hat wieder einmal für heiße Diskussionen gesorgt. Ein dünnes Büchlein, dem man soviel explosiven Diskussionsstoff gar nicht zugetraut hätte. Kalt gelassen hat es niemanden. Es ist – um es gleich vorneweg zu nehmen – sehr gut geschrieben, das Wesentliche des Buches besteht in dem, was zwischen den Zeilen steht, was nicht erzählt und angesprochen wird.

Lucy Barton liegt im Krankenhaus wo sie mit Komplikationen nach einer einigermaßen einfachen Operation zu kämpfen hat. Ihre Mutter, zu der sie seit Jahren kaum Kontakt hat, besucht sie im Krankenhaus. Sie kommunizieren Klatsch und Tratsch über die gemeinsamen Bekannten aus der Heimat in Illionois miteinander, ohne wirklich unter die Oberfläche zu gehen. Dort, wo unerfüllte Sehnsüchte, Spannungen und Verletzungen liegen.

Lucy konnte ihrer „white trash“ Familie entkommen, lebt in New York und versucht Schriftstellerin zu werden. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und doch kann sie ihren Kindheitstraumata nicht wirklich entkommen.

“Then I understood I would never marry him. It’s funny how one thing can make you realize something like that. One can be ready to give up the children one always wanted, one can be ready to withstand remarks about one’s past, or one’s clothes, but then–a tiny remark and the soul deflates and says: Oh.”

Mir war Lucy etwas zu passiv, hat zu wenige Ansprüche an ihre Mutter gestellt, aber vielleicht kommen da persönliche Befindlichkeiten meinerseits mit rein. Ein Roman, den ich grundsätzlich gerne gelesen habe, auch wenn ich „Olive Kittridge“ für ihr weitaus stärkeres Buch halte.

“But I think I know so well the pain we children clutch to our chests, how it lasts our whole lifetime, with longings so large you can’t even weep. We hold it tight, we do, with each seizure of the beating heart: This is mine, this is mine, this is mine.”

Hier noch eine schöne Besprechung von letteratura.

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„Die Juristische Unschärfe der Ehe“ – Olga Grjasnowa

Eine interessante Geschichte mit spannenden, wenn auch nicht unbedingt sympatischen Charakteren, temporeich erzählt mit den kurzen Kapiteln. Bin ziemlich durchgebraust durch den Roman. Es geht um Leyla und Altay, die eine Scheinehe führen, um ihre Familien nicht mit ihrer Homosexualität zu konfrontieren. Sie leben ein cooles, bohemian Leben in einer Berliner Altbauwohnung und beide schleppen hin und wieder Partner für eine Nacht ab, lassen sich aber auf nichts ernstes ein. Sie leben ihre Zerrissenheit miteinander aus und stärken sich gegenseitig.

Das ändert sich, als die beiden Jonoun treffen, eine Frau, die mehr als eine flüchtige Beziehung für Leyla ist und Altay fühlt sich von ihr bedroht. Hat Angst um seine bequeme und glückliche Ehe mit Leyla, die ihm sicher zu sein scheint. Er ist nach einer unglücklichen Liebe vollkommen unfähig sich neu zu verlieben.

Gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Städte in Russland und im Kaukasus, den Einblick in das Leben einer Ballerina am Bolschoi-Theater und auch der Einblick in den homosexuellen Alltag in Russland.

Zum Ende hin hat Frau Grjasnowa mich allerdings verloren. Das wirkte abrupt, als hätte sie keine Lust mehr gehabt. Ja und vermutlich mochte ich auch nicht den Beigeschmack, den das Ende für mich hatte und der Wasser auf die Mühlen der „Homosexualität ist eine Wahl“-Freaks ist. Aber vielleicht bin ich da auch zu empfindlich.

„Dort wirst du doch auch nur unter bestimmten Umständen akzeptiert. Was wärst du bloß für ein Schwuler, wenn du dich nicht gut anziehen, dich für Innendesign, Avantgardemusik, Kochen und Lifestyle interessieren würdest?“

„Der Westen braucht den Diskurs über Homosexualität um sich der eigenen Überlegenheit zu vergewissern.“

Kennt ihr eines der vorgestellten Bücher? Wie war eure Leseerfahrung ? Ähnlich ganz anders oder konnte ich vielleicht den einen oder anderen auf eines der Bücher neugierig machen? Ich hoffe doch.

So long und jetzt muss ich erst noch mal meinen Darth Vader anwerfen, ich liebe es wenn er tanzt …

  • Jack Williamson – „The Humanoids“ auf deutsch unter „Wing 4“ bei Heyne erschienen
  • Apostolos Doxiadis – „Logicomix“ erschienen im Atrium Verlag
  • Warren Ellis – „Normal“ erschienen bei Farrar/Straus & Giroux Verlag
  • Sylvie Schenk – „Schnell Dein Leben“ erschienen im Hanser Verlag
  • Elizabeth Strout – „My name is Lucy Barton/Die Unvollkommenheit der Liebe“ erschienen im Luchterhand Verlag
  • Olga Grjasnowa – „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ erschienen im dtv Verlag

Tortilla Flat – John Steinbeck

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Ein charmantes kleines Buch. Eine Gruppe eher abgerissener Männer, die es im Leben nicht zu viel gebracht haben, finden auf ihre Art und Weise ihr Glück. Sie finden es nicht durch zielstrebiges Suchen, sondern eher happy-go-lucky. Frauen und Wein, eine gesellige Runde ohne große Verantwortung irgendwem gegenüber.

Tortilla Flat spielt in Monterey, Kalifornien, eine Stadt, die Steinbeck später noch einmal erkundet in seinem Roman „Cannery Row“, dem unteren Teil der Stadt, in dem die Fischer und Fischfabrikarbeiter leben. In diesem Buch geht es um den Teil von Monterey in dem sich Wald und Stadt vermischen, wo es keine asphaltierten Straßen und keine Straßenbeleuchtung gibt. Ein Ort namens Tortilla Flat.

Die Einwohner sind Paisanos. Menschen die eine wilde Mischung aus spanischem, indianischem, mexikanischem und kaukasischem Blut haben. Sie sprechen Englisch mit Paisano Akzent. Die meisten idenfizieren sich selbst als spanischer Abstammung.

“Thoughts are slow and deep and golden in the morning.”

Ein Buch für einen warmen Sommernachmittag eigentlich. Auf dem Balkon sitzen oder an der Isar, ein Bierchen zischen und dabei lesen wie es Danny, Pilon, Pablo und den anderen so ergeht. Danny kommt aus dem ersten Weltkrieg zurück und stellt fest er hat nicht nur ein Haus geerbt, sondern gleich zwei. Nach einem kurzen Abstecher im Gefängnis zieht er in eines der beiden Häuser ein und holt sich seine Kumpels dazu. Miete wird zwar vereinbart, aber nicht wirklich gezahlt. Die Absicht ist oft da, nur passiert es nicht, denn ist das Geld nicht viel besser in Wein und ein paar Happen zu Essen für alle investiert?

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“Time is more complex near the sea than in any other place, for in addition to the circling of the sun and the turning of the seasons, the waves beat out the passage of time on the rocks and the tides rise and fall as a great clepsydra.”

Regeln gibt es nicht wirklich. Nur Dannys Bett ist off limits und es wird immer alles geteilt. Die Sprache ist einfach, aber so passend. Kein Wort zuviel, keines zuwenig. Es gibt da ein Kapitel über einen Staubsauger, ich will nicht zuviel verraten, aber es war unglaublich lustig.

“Two gallons is a great deal of wine, even for two paisanos. Spiritually the jugs maybe graduated thus: Just below the shoulder of the first bottle, serious and concentrated conversation. Two inches farther down, sweetly sad memory. Three inches more, thoughts of old and satisfactory loves. An inch, thoughts of bitter loves. Bottom of the first jug, general and undirected sadness. Shoulder of the second jug, black, unholy despondency. Two fingers down, a song of death or longing. A thumb, every other song each one knows. The graduations stop here, for the trail splits and there is no certainty. From this point anything can happen.“

„Cannery Row“ hat mir noch ein ganzes Stück besser gefallen, das ist sicherlich nicht sein literarisch wertvollstes Werk und aus heutiger Sicht kann man da sicherlich das eine oder andere politisch nicht korrekte Detail finden. Steinbeck ist für mich aber auf jeden Fall ein Autor, der einem hilft sich selbst und das Leben nicht so ernst zu nehmen.

Ich liebe im übrigen meine 50er Jahre Pulp Fiction Ausgabe. So ein wunderbar kitschiges Cover 😉

Hier der Trailer zum Film – genau das richtige für einen gewittrigen Sonntag Nachmittag: